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Busenneidische Zirbenschänder torkeln übern Laufsteg: Das war T.o.R. im Februar 2013

Da der hohe Festtag des Valentins zu begehen war, pochten im Moustache zu Innsbruck Publikumsherzen glückselig vor sprachlich induzierter Romantik. Applaudierende Hände glichen den Flügeln aufgeregter, weißer Tauben, schwarmweise stiegen Vivat-Rufe und literarische Bonmots in die Luft. Gründe zur Freude gab es zuhauf, was vor allem an unseren Gästen lag: Helena Schmidt und Simon Cazanelli aka Senza Parole.

Senza Parole

Noch nie waren besser gekleidete Menschen auf der Bühne unserer der Mode zwar nicht abholden, in Bezug aufs äußere Erscheinungsbild aber ein schnoddriges Understatement pflegenden Performanzshow, deren Laufstegqualitäten zugegebenermaßen nur in Form von Martin Fritz‘ schmalen Krawatten zu belegen sind. Abseits rein optischer Vorzüge bot dieses slamtechnisch wirbelwindartig Bühnen fegende Team eine SpokenWord-Valentinsblumenstrauß, welcher gar wunderbare Blüten bereithielt. Unter anderem wurde auf Italienisch und Deutsch gesungen und sprachliches PingPong gespielt, crazy like Patrick Swayze Taylor Swift zitiert, im Doppelpack 5 Gründe genannt, warum Katzen besser sind als I-Pads (ein Lebewesen, welches in derartigen Videos agiert, stellt einfach alles in den Schatten, keine Frage), im Duett der Weltuntergang vom 21.12.2012 heraufbeschworen und eine Freiheit anvisiert, die dort draußen liegt, wo das Web 2.0 beginnt. Ganz großes Kino, die Lesebühnen-Stammbesetzung verneigte sich ehrfürchtig wie ein Lakai vor seiner Andrea-Berg-narrischen Kronprinzessin.

Senza Parole

Diese, also die Stammbesetzung, musste leider auf Markus Koschuh verzichten, weilte er doch in Köln, um dort vom Fernsehsender RTL als Nachfolger von Cindy aus Marzahn aufgebaut zu werden. Die verbliebenen drei T.o.R.en gaben ihr Bestes, was, kurz rekapituliert, aus folgenden Schlaglichtern bestand:

Busenneid: Stefan Abermann erzählte von der achten Todsünde, die zwischen Vater und neugeborenem Kind eine tiefe Kluft zu treiben und die einmalige Absenz der Mutter in einen schier nerventötenden Psychokrieg zu verwandeln imstande ist, der das Publikum wiederum zu frenetischem Gelächter und Applaus verführte.

Kleistogamie: Robert Prosser las passend zum Feiertag seine Neudichtung der antiken Lovestory schlechthin und blickte in eine besondere Inspirationsquelle aus Ovids Metamorphosen, nämlich in die Legende von Narziss, welchen angesichts des eigenen Spiegelbildes die Liebe wie der Faustschlag eines Spartaners traf.

Robert Prosser

Zirbenschänder: Martin Fritz trug einen wohlklingenden Dialektwalzer vor, der in schönstem Tirolerisch vom Zirbenschnapsbrennen berichtete. Die Haudegen hiesiger Destillierkunst, im 3/4 Takt hochprozentiges Geisteswasser zaubernd, sind demnach harte Knochen, die vom Zulingzapfen bis zum Oachkatzl alles in den Brennofen hauen.

Stefan Abermann und Martin Fritz

Martin Fritz präsentierte weiters zehn die Sissi-Filmtrilogie betreffende Verbesserungsvorschläge, die unter anderem Achselbehaarung, Ankertattoos und wilde Liebesbeziehungen zum Inhalt hatten (empfohlenermaßen hier nachzulesen), Robert Prosser trug auswendig und rhythmisiert ein Gedicht übers Ausgehen im Allgemeinen und Drum’n Bass Partys im Besonderen vor, energetisches Strandgut seiner Sturm-und-Drang-Phase, und Stefan Abermann kredenzte dem Publikum ein Gebet, worin ein vormals Zweifelnder, der im Zentrum seines Lebens nur ein großes, schwarzes Loch zu erkennen glaubte, durch die Verurteilung Ernst Strassers Erlösung findet.

Die übliche Verbeugung

So wird es also gewesen sein, anno Februar 2013, dies noch zu übertreffen ist unser ehrliches Anliegen, der nächste Versuch, diese Unmöglichkeit zu bewerkstelligen, findet am 14. März statt, mit Magda Woitzuck als Don Quijote und Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser als vierköpfiger Sancho Pancho. Wider der Nordkette, den Windmühlen und den Verheißungen des Après-Skis!

Hardfacts: Next T.o.R. am 14. März, 20 Uhr im Moustache, mit Magda Woitzuck.

T.o.R. am D0 14.2. mit Senza Parole

senza parole, foto (c) johanna lamprecht

Der Feber steht im Ruf, allgemein mehr schlecht als recht in einem emotionslosen Dahindämmern zwischen Winterschlaf und Frühjahrsmüdigkeit verbracht zu werden. Das muss aber nicht so sein, Stichworte Maria Lichtmess, Fünfte Jahreszeit und Energieferien. Und auch die Abteilung für nachhaltige Bühnenromantik und erneuerbare Energiesparlampen, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, ist ein Strohhalm der guten Hoffnung im Wintersgrau und heuer sprachlos am Valentinstag, wie es Catherine T. Nicholls ausdrückte. Aber fangen wir beim Anfang an.

Die engagierten T.o.R.-Stammautoren und Teilzeit-Charmeure Stefan Abermann, Martin Fritz, und Robert Prosser werden sich am Donnerstag, den 14. Februar 2013 um 20:00 nämlich in Abwesenheit von Markus Koschuh ins Moustache begeben, um dort ein Feuerwerk der lieb gemeinten Textperformanz zu zünden, da letztgenannter zeitgleich und mit viel Gefühl das neue Album der Kastelruther Spatzen einsingen muss. Das (also die Abwesenheit, nicht das Album) macht aber fast gar nichts, denn die T.o.R.-Lausbuben haben sich für den Tag der Liebenden gleich zwei Gastlesende geladen, nämlich das Team Senza Parole, bestehend aus Helena Schmidt und Simon Cazzanelli (der dem Publikum noch von seinem Sieg beim Bäckerei Poetry Slam bekannt sein könnte). Die beiden sind nicht nur die größten Andrea-Berg-Fans des deutschsprachigen Raums, sondern auch StifterInnen und voraussichtliche PreisträgerInnen des Ö-Slam-Best-Dressed-Awards 2013. Denn beim Ö-Slam nimmt Österreichs vielleicht zweitbestes (nach T.F.S.K.) Performanzliteratur-Team gewiss wieder teil, wie sie überhaupt mit ihren Texten über Katzenvideos im Internet, Kaufräusche und eben Andrea Berg aus der Poetry-Slam- und Lesebühnen-Szene nicht wegzudenkende Fixgrößen sind.

Alles andere bleibt ebenso wie beim Opernball stets gleich, also Gelegenheit zum Ergreifen des Open Mic für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum und Pünklichkeitsverliebtheit, sprich es fängt auch wirklich um genau Acht an. Also, be our Valentine, es wird ein Fest der Liebe und der Literatur, die wohl beide ebenso oft über- wie unterbewertet werden.

Romantisches Resümee:
Do 14.02. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Senza Parole (Graz)
Und zum Facebook-Event geht es hier.

Neues von Tricksern: Der Winterflyer 2012/13 ist da

Die Übersetzer zwischen den Türen und Stühlen, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, freut sich wie eine viel zu junge Schneeprinzessin, endlich die Termine für die Zeit im Würgegriff von Frau Holle bekannt zu geben:

T.o.R. Flyer Winter 2012/13

DO 13.12.12 mit Mario Tomic (Graz)
DO 10.01.13 mit Daniela Dill (Basel)
DO 14.02.13 mit Senza Parole (Graz)

Den feuerspeienden Karpfen haben wir wie stets unserer Hausgraphikerin Carmen Sulzenbacher zu verdanken und die Informationen auf Makro-, Meso-, und Mikroebene werden Euch in diesem Internet und offline in geeigneter Form zu geeigneten Zeitpunkten gereicht werden, auf dass wie uns alle möglichst oft wiedersehen im frostsicheren Moustache. Olé!