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Flora und Fauna im Modus der Autoerotik: Das war T.o.R. im Mai!

Wenn im Wald ein Baum umfällt, und niemand da ist, um es zu hören, würde ein Hipster trotzdem den Soundtrack dazu kaufen? Unter vielen anderweitig zu introspektiver Ruhe drängenden Fragen wurde im Mai auch dieser an den Leib gerückt, Text ohne Reiter schreckt weder vor Kalauer noch Kierkegaard zurück, sondern antwortet dann, wenn es wirklich nötig ist: Wenn ein Zwerg Weed raucht, wird er dann high oder medium? Wer unseren letztmaligen, performativen Höhenflug besuchte, weiß Bescheid. Schweinchenrosa und babyblau moderierten Markus Koschuh und Martin Fritz mit spitzer Klinge und Nonchalance, wobei natürlich auch zwei Koboldmakis dazu gereicht hätten, riss doch Michael Jakob, unser aus Nürnberg angereister Stargast, die Herzen des Publikums an sich, als würde er in Willis Erdbeerland ungeniert von allen Sträuchern naschen.

Seine Pointen folgten wie Punches a la Tony Jaa noch schneller aufeinander, als dieser Nachbericht auf das zu rekapitulierende Großereignis. Michael enthüllte, dass Kosenamen in Wahrheit eine Strategie sind, um sich nicht die Namen wechselnder Sexualpartner merken zu müssen, es gab ein Hormondrama in 3 Akten; dargeboten, den Streit von Hirn und Hoden, bloß, den Trieb auszuleben geht an die Substanz, da auch das Weib mit Wollust sein Schwert begehrt, zudem wurde Jesus wiedergeboren und mit Erste-Welt-Problemen konfrontiert, ließ sich etwa ein Bad ein und schwamm ärgerlicherweise auf der Oberfläche, hatte auf Facebook nur 12 Freunde und die waren alle jünger. Als Zugabe folgte ein erstaunliches Gedankenexperiment: Wenn Orgasmen das Leben verlängern, wieviele braucht man, um unsterblich zu werden? Autoerotik, alle 5 Minuten ausgeführt und aufgeschleckt, war da noch das mindeste. Das Publikum dankte es Michael Jakob mit Applaus und einer Schampusdusche, gäbe es ein solches Getränk denn im Moustache für eruptive Äußerungen großer Freude zu erstehen, und wenn schon Konjunktiv, dann richtig: wäre das Moustache zu T.o.R.-Zeiten ein Gewächshaus, fiele Michael Jakob die Rolle eines floralen Killers, von welchem The Pittsburgh Press am 4. Januar 1925 berichtete, nicht nur zu, sondern gebühre ihm, früge wer wolle.

Schweiniglerisch den Tieren und der Liebe zugewandt, versuchten auch die in Vollbesetzung aufmarschierten Stammleser den Eindruck hodenförmiger Wurzelknollen (a.k.a. Orchideen) zu erwecken, um zu beweisen, dass in zeitgenössisch literarischer Performanz noch sehr viel Spielraum für Sex aller Art und menschelnde Tiere zu finden ist. Schlaglichter wie die folgenden seien genannt: Es gab einen männerfressenden Vamp, am Schlagerhit „Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden…“ verzweifelnd auf der Suche nach dem schlechtesten Liebhaber ihrer Karriere und einen Brief an die Oma als gefinkelten Hinweis auf bevorstehende ÖH-Wahlen (Markus Koschuh), Faktenwissen zum begnadet Schleicher tanzenden Faultier, das sich wundert, warum Tarzan immer glattrasiert ist und den Monolog einer Sandlerin vom Wiener Praterstern, die über Liebhaber und den Schädel von Descartes nachdenkt (Robert Prosser); eine Grillparty crashende Einhörner namens Wiebke und Merit, die wie Yoda reden, nur ohne dem ganzen Prä-Coelho-Eso-Scheiß: „Du keine Spaßzigarette mir drehst, warum?“ und die eheliche Vermählung in all ihrer Vielfalt, per TopTen-Listen gezüchtigt (Martin Fritz), Lachse, die dem vorgetragenen Animalismus die Krone aufsetzen, indem sie nach einem Peter Rapp-Fingerschnipp aus dem Wasser springen, einen Baum fällen und sich selbst räuchern, sowie erste Frühlingsgefühle, die sich trotz der vom Vater geborgten Lederjacke nicht erfüllen, aber bis zum nächsten Winter immerhin einen Spaziergang unter Freunden ermöglichen (Stefan Abermann).

Heissa, es war ein tollkühner Pollensturzflug, der sich am 09. Mai zu Innsbruck abspielte, thematisch zwischen xhamster.com und ittlefacemitt.tumblr.com weite Felder gesellschaftspolitischer Relevanz beackernd. Wir bedanken uns bei Andreas, der als Open Mic sowohl auf als auch abseits der Bühne nicht mit Rundumschlägen geizte; es bleibt die Frage, wie dies alles beim nächsten Mal zu toppen, wenn die 6. Saison zum Abschluß gebracht und dafür ein Stargast an den Inn geholt wird, der dieser Saisonabschlußsause mehr als würdig ist: Christine Teichmann.

Factflashlight: Next T.o.R. Am 13. Juni 2013, ab 20 Uhr im Moustache, Innsbruck

T.o.R. im Mai mit Michael Jakob

(c) michael jakob

Ok, wir geben es zu, Mai ist in Wahrheit der letzte Monat, in dem irgendwer noch irgendetwas anderes tut als an die Sommerpause zu denken, und zwar sehnsüchtigst. Das (also anderes) tun wir dafür aber ganz besonders hingebungsvoll, und so bereiten wir, das heißt die Stachanov-Abteilung des internationalen Tachinierens oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, bereits in stundenlangen Info-Meetings, gewaltaktigen Brainstormings und gefühlt tagelangen Exerzitien nichts anderes vor als die nächsten Schandtaten. Und wen überrascht es, herausgekommen ist dabei: ein Auftritt im Mai.

Die alten Bon-Vivants, Hagestolze und vor allem hauptamtlichen T.o.R.-Stammautoren namens Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser planen also genau gessagt am Donnerstag, den 09. Mai 2013 um 20:00 in neuestem Tuch und sittsam gekleidet sich im Moustache ein Stelldichein zu geben. Vor Ort werden wie gehabt nur die besten Erträge ihres jüngeren literarischen Schaffens präsentiert, was an Unterhaltungskraft und Erbaulichkeit zu übertreffen wiederum die Aufgabe des Gastlesers sein wird. Da dieser jedoch mit Michael Jakob einen Routinier in sämtlichen nur denkbaren Bühnenfächern darstellt, dessen Werke und Taten bei Bedarf auf seiner wunderhübschen Website nachzulesen sind, dürfte ihm dieses ein Leichtes sein und so soll es doch in Wahrheit auch sein.

Ebenso kein Malheur dürfte das Gleichbleiben der Traditionen (Open Mic-Potential für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum sowie pünktliche Beginnzeit) darstellen. Arbeitet und faulenzt also in eurer Freizeit bis dahin recht fleißig und entspannt um guten Mutes unser treues Publikum zu sein, wir täten uns recht herzlich und angestrengt freuen.

Mai-Memo:
Do 09.05. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Michael Jakob (Nürnberg)
Und zum Facebook-Event geht es hier.

Es grünt so grün: Der Frühling/Sommer-Flyer 2013

Da kann der Schnee hierzulande und der Regen in Spanien auf die Ebene fallen, so viel sie wollen: Der Turing-Test erprobteste postmoderne Pygmalion, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, plant mit Hilfe der neuntbesten Freude, der Vorfreude, bereits für die beste Zeit des Jahres und kündigt dafür die folgenden Vorhaben an:

tor fruehlings-flyer 2013 (T.o.R.-Logo (c) Pascal-Anne Lavallée Layout (c) Carmen Sulzenbacher)

* DO 14.03.13 mit Magda Woitzuck (Neulengbach)
* DO 11.04.13 mit Theresa Hahl (Marburg)
* DO 09.05.13 mit Michael Jakob (Nürnberg)
* DO 13.06.13 mit Christine Teichmann (Graz)

Das muybridgeske Rotwild hat wie gehabt unserer Hausgraphikerin Carmen Sulzenbacher ins Bild gerückt und die detailierten Informationensbrocken zu den einzelnen Sprechakten werdet Ihr jeweils zeitnah erfahren, wenn Ihr mal wieder hineinschaut in dieses so genannten Internet (sofern es sich durchsetzt) Wir freuen uns auf uns, die Gastleser/innen und Euch im Moustache. Blüht in Vielheiten!