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Text ohne Reiter Auflesungsabend im Juni

gruppenfoto text ohne reiter 2007

Wer es bzw. uns nicht sofort wiedererkennt: Das oben stehende Lichtbild aus dem Jahr 2007 zeigt tatsächlich uns. Was es aber auch zeigt: Es ist seither viel Zeit vergangen, genau genommen sieben Jahre.

Sieben Jahre, in denen wir uns jedes Monat immer wieder selbst überraschten, verwirrten und freuten auf und mit unterhaltsamen, verstörenden und pathetischen Texten, sieben Jahre mit immer wieder einzigartigen Lesegästen, Tief- und Höhepunkten und allem dazwischen, aber eben auch sieben Jahre, nach denen wir nun nach reiflichem Nachdenken sagen müssen: Es ist wieder Zeit für etwas Neues, denn am schönsten ist Aufhören, wenn es am schönsten ist, also leider jetzt. Weil es aber vor allem auch sieben Jahre mit dem besten, treusten und vor allem attraktivsten Publikum waren, das wir uns nur wünschen können, gehen wir nicht, ohne uns noch einmal mit einem Ausritt gebührend von euch zu verabschieden.

Konkret gesagt heißt das, die Abteilung für Performanz, Liminalität und Kryptik, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter – die Innsbrucker Lesebühne, wird noch einmal, und zwar am Donnerstag, den 11. Juni 2015 um 20:00 Uhr im Moustache mit allen hauptamtlichen T.o.R.-Stammautoren Stefan Abermann, Martin Fritz, Markus Koschuh und Robert Prosser aufwarten, die ihre wichtigsten Texte aus den langen Jahren Lesebühnenschaffens oder vielleicht auch ganz Neues darbieten werden. Lasst uns also noch ein letztes Mal in dieser Form zusammenkommen und sieben Jahre feiern, denn das war es in jedem Moment: ein großes, glitzerndes, goldiges Fest.

Und naturgemäß heißt das Ende in dieser Form nicht, dass es gar nicht weitergeht – die T.o.R.-Autoren werden natürlich weiterhin in diversen Zusammensetzungen auf diversen Bühnen zu erleben sein – wir werden euch hier (und auf unserer neuen Facebook-Page) über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden halten und auch darüber, ob und unter welchem Namen und mit welchem Personal die Lesebühne nach der Sommerpause eventuell wie ein Phoenix wiederauferstehen wird oder was auch immer sonst passieren mag. Bleibt dran – wir sind selbst schon sehr gespannt.

Kurzzusammenfassung zum Schluss:
Do 11.Juni 20:00h Moustache: T.o.R. Auflesungsabend.
Und zum Facebook-Event geht es hier entlang.

T.o.R. im Mai mit Christoph W. Bauer

Christoph W. Bauer, Foto (c) Florian Schneider

In Berlin heißen die Bars ja z.B. “An einem Sonntag im August” und sagen kann eins das auch im April, sogar wenn es um den Mai gehen soll. Denn so groß sind die Unterschiede im Inneren von Bars nicht, wie niemand besser weiß als die Forschungsgruppe fiktionale und fiktive Barnamen oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne.

Wenn wir privat eine Bar betreten, verläuft das Gespräch eher wie in einem Kaurismäki-Film, aber das machen wir natürlich alles nur für Euch: Wir sparen uns die Eloquenz, Spritzigkeit und Schärfe der Gedanken und Pointen auf für die Bühne. Und zwar für die Bühne unserer Lieblingsbar, der des Moustache, wo die Teilzeit-Stammgäste und Vollzeit-T.o.R.-Stammautoren Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser am 8. Mai 2014 um 20:00 Uhr wieder einiges zu berichten haben werden von den düstersten Pinten und hellsten Höhen, die sie wie immer nur auf der Suche nach lesebühnentauglichen Geschichten aufgesucht haben werden.

Einiges über Bars zu sagen hat gewiss auch unser Mai-Gast Christoph W. Bauer, den in Innsbruck vorzustellen so nötig wie ein Becks Gold ist. Neben seiner neuesten Veröffentlichung In einer Bar unter dem Meer prädestiniert den eigentlich ja transoeniuvalen (umso mehr freut es uns, ihn über den Inn zu locken) Dichter nicht zuletzt für uns, dass er einen seiner früheren Lyrikbände präsentierte, indem er so lange jeden Abend in einem anderen Bögenlokal las, bis die Bögen zu Ende waren (es könnte Supersonic ebenso gewesen sein wie Die Mobilität des Wassers sollte man mieten können – wir waren dabei, können uns also an nichts erinnern). Wer dazu physisch und psychisch in der Lage ist, ist mittendrin in unserer Liebe.

Darin befindet sich ebenso das Open Mic, das die Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum eröffnet sowie wie unsere pünktliche Beginnzeit. Es wird Moloko fließen wie in der Korova Milk Bar, und Blut wie in The Bronze und im Fangtasia gemeinsam!

Kurze:
Do 08.05. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Christoph W. Bauer (Innsbruck)
Und zum Facebook-Event geht es hier entlang.

T.o.R. Auswärtsspiele im Sommer

Auch wenn die Lesebühne Text ohne Reiter ihre wohl verdiente Sommerpause zu genießen sich anschickt, gibt es dennoch zwei Ausnahmen von dieser Pause anzukündigen, denn T.o.R. nützt die schöne Jahreszeit für zwei Spezial-Ausritte aus der gewohnten Spielstätte des Moustache.

Zuerst hätten wir da das Auswärtsspiel im Rathaus Innenhof in Hall am 26. 7. 2013. Hier der offzielle Ankündigungstext des den Abend ermöglichenden Kulturlabors Stromboli:

Zum zweiten Mal galoppiert die Innsbrucker Lesebühne ,,Text ohne Reiter” für ein Open-Air- Auswärtsspiel nach Hall. Die vier Stamm-T.o.R.en Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser liefern ein Sommerfeuerwerk der gehobenen Unterhaltungsliteratur. Performanz so prickelnd wie ein Damenspitz und die besten Texte aus sechs Jahren Lesebühnenerfahrung! Als Starlesegästin des Abends ist Minkasia aus Linz gewonnen worden. Hinterher legt einer auf, nämlich DJ Martin Fritz.

Einstimmung: 19.00 | Beginn: 20.00 | Ausklang im Stromboli: 23.00
Ort: Rathaus Innenhof, Oberer Stadtplatz 1-2, Hall
Bei Schlechtwetter findet die Veranstaltung um 20.00 Uhr im Kulturlabor Stromboli statt.

Und als zweiten Streich planen wir dann noch einen Auftritt im Spiegelzelt oder wie manche auch sagen Cafe des Artistes des Festivals der Träume, und zwar am 15. 8. 2013 um 21:30 Uhr. Auch zu diesem Anlass werden wir die besten Texte unseres bisherigen Schaffens mit tagesaktueller Textperformanzkompetenz würzen und so hoffentlich einen schönen Ferragosto fabrizieren – und ab September geht es dann wieder von vorne los mit der neuen Saison, Ihr werdet es rechtzeitig erfahren auf diesem magischen Kanälen.

T.o.R. am DO 13.9. mit Andreas Plammer

Andreas Plammer

Alles ist immer jedes Jahr das Selbe, so auch der September-Termin beim starrsten Dynamik-Cluster aller variablen Invarianzen oder wie oder wie andere auch sagen: bei Text ohne Reiter, der konstantesten flexiblen Lesebühne Innsbrucks. Und da es auch nicht sein anders sein könnte, als es sein kann, so laden wir Berufsurlauber und ehrenamtlichen Performanzliteraten sowie Stammautoren Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser auch diesmal wieder ins Moustache um unsere schönsten Ferienerlebnisse vorzulesen, sowie die besten Postkarten, die wir uns gegenseitig geschrieben haben und vielleicht gibt es zur Veranschaulichung auch einen Urlaubsdiavortrag. Oder es kommt ganz anders und wir lesen doch die besten neuen Texte, die wir im Sommer frei aus unserer Fantasie erfunden und aufgeschrieben haben. Wer weiß schon, welches von beidem – wir wissen ja schon nicht, was wir letzten Sommer getan haben. Passieren wird der ganze faule Zauber jedenfalls am Donnerstag den 13.9. um 20:00 Uhr.

Zudem verhält es sich so, wie es ist (also Open Mic für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum, eh klar, kennt ihr schon), und nicht vielmehr ganz anders, woraus weiters logisch folgt, dass wir als Gastleser den fabulösen Andreas Plammer aus dem von der schönen Traisen durchflossenen Wien engagiert haben. Über dessen Tun und Lassen informiert dessen wunderschöne Website, wenngleich sie verständlicherweise doch einen deutlichen Fokus auf ersteres legt. Dieser Informartion gar nicht bedürfen dürften jedoch die meisten, die Andreas Plammer von seinen zahlreichen Auftritten bei wohl sämtlichen Poetry Slams, Lesebühnen und überall sonst, wo ein Mikrophon rumsteht her kennen oder in seiner Eigenschaft als Redakteuer der Literaturzeitschrift & Radieschen, die er als Büchertischbetreuer z.B. auch schon beim Bierstindl respektive Bäckerei Poetry Slam in Innsbruck unters Volk brachte. Und wenn ihr dazu keine Fragen mehr habt, dann hat sie eben der Plammer selbst, und was für welche.

Fun-Factbox:
Do 13.9. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Andreas Plammer

Das Ende der Sommerpause

Die gegen Ende der Sommerpause am häufigsten an Element of Crime denkende Performanzgruppe des Landes, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, veröffentlicht hiermit mit Stolz und Dringlichkeit die in der schönsten Zeit des Jahres ausgeheckten Pläne für die kommenden Monate:

T.o.R. Flyer Herbst 2012

DO 13.09.12 mit Andreas Plammer (Wien)
DO 11.10.12 mit Barbi Markovic (Wien)
DO 08.11.12 mit Diego Häberli (Bern)

Sämtliche Pferde so schön ins Werk gesetzt hat wie immer Carmen Sulzenbacher und die ganzen dreckigen Details, Daten und Fakten und vielleicht sogar auch die eine oder andere Informatiaun wird euch rechtzeitig, kurzfristig und on demand hier erreichen und überall sonst, wo wir sie ins Internet schreiben, damit ihr dann alle wieder zur rechten Zeit am rechten Ort, nämlich dem fabelhaften Moustache sein werdet. Es ist doch ohnedies schon längst zu spät, um jetzt noch aufzuhören, also fangt gar nicht erst damit an, nicht mehr zu erscheinen, wir tun es ja auch nicht.

50. T.o.R. am DO 14.06. mit Volker Strübing

tor flyer spezial 2012 T.o.R.-Logo (c) Pascal-Anne Lavallée Layout (c) Carmen Sulzenbacher

Die Hauptinformationen dürften dem oben stehenden Flyer leicht zu entnehmen sein, aber die Abteilung Literaturbetrieb Süd für Unbeschwertheit, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, macht es sich ungern leicht, wenn auch schwierig ausgedrückt werden kann, was gesagt werden muss. Denn wir glauben es ja selbst kaum, aber unsere kleine Rasselbande der Performanzliteratur besteht nun seit mittlerweile 50 Auftritten und dieses Jubiläum will gefeiert sein mit einer ganz großen Spezial-Ausgabe der Lesebühne.

Geboten werden dabei die besten Texte aller Zeiten der Herren Gründungsmitglieder Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser – Wünsche nach speziellen Texten werden unter textohnereiter at gmail dot com sowie vor Ort gerne entgegen genommen. Neben der Darbietung dieser Klassiker werden wir es uns aber auch nicht nehmen lassen, gewohnt charmant und chaotisch durch den Abend zu gondeln, Experiment, Literatur und Unterhaltung zu verbinden – denn hierin zeigt sich wahre Professionalität: Es seit 50 Auftritten professionell sowie mit der allergrößten Absicht und Sorgfalt so aussehen lassen, als wären wir immer noch gleich dilettantisch wie ganz zu Beginn.

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Das sieht leicht bei uns aus, weil es leicht für uns ist, wäre aber alles noch nichts, hätten wir mit unserem diesmaligen Gast Volker Strübing nicht jemanden gewinnen können, der für Lesebühnen ungefähr das ist, was der Guglhupf für den Sonntag bedeutet – wie alle bestätigen werden, die sich noch an Strübings erstes Innsbruck-Gastspiel beim Bierstindl Prosa Festival erinnern können. Die weiteren Details, Biographien und Werkproben entnehmen Sie bitte wie stets den oben verlinkten Websites, falls überhaupt noch Zweifel darüber besteht, dass ein Mitglied von LSD – Liebe statt Drogen oder der Chaussee der Enthusiasten den Gang am Donnerstag, den 14.06. um 20:00 Uhr ins Moustache mehr als nur wert ist.

Außerdem verraten wir vielleicht noch, was es denn eigentlich mit unserem Namen auf sich hat, welche der vielen sich im Umlauf befindlichen Geschichten über die näheren Umstände der Gründung unserer Lesebühne nun eigentlich stimmt und was uns sonst noch am Herzen liegt. Es wird ein Fest, bleibt nicht in Scharen aus, wir können uns jetzt schon an nichts mehr erinnern.

Leicht lesbare Kurzinformation:
Text ohne Reiter wird 50 und feiert das am 14.06.2012 um 20:00 Uhr im Moustache mit einer Spezial-Ausgabe mit Stargast Volker Strübing (Berlin) und den besten Texten aus 5 Jahren Lesebühne (spezielle Textwünsche an textohnereiter at gmail.com) sowie noch mehr Neuen, Bewährten und Sensationen.

T.o.R. am Do 12.4. mit Jana Klar

jana klar (c) Hendrik Schneller

Jetzt ist auch schon wieder die Zeit, wo wir von Text ohne Reiter beim ersten Erspähen des Falkners mit großer Überzeugung ausrufen: “Es herbstelt!”

Aber auch abgesehen von hermetischen Bemerkungen zur Jahreszeit (wie sie in unserem Alter eben nie ausbleiben) hat die insider-joke-freieste und doch sprachwissenschaftsbegeistertste Unterhaltungsliteraturveranstaltungsreihe südlich der Benrather Linie, oder wie andere eben auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, viel zu sagen. Im Speziellen nämlich ist die ebenfalls zur Jahreszeit passende frohe Kunde kundzutun, dass unser nächster Auftritt naht wie ein Verb dem Substantiv-Objekt in einer Figura Etymologica: Schon am Donnerstag, den 12. April 2012 um 20:00 Uhr wie stets im Ostflügel des Moustache werden die sachverständigen Stamm-T.o.R.-Autoren Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser glänzen wie die Ostereier im Nest.

Aber damit nicht genug: Henne im Korb (um das mit Abstand verkorkteste Sprachbild aller T.o.R.-Ankündigungen ever zu benützen, das sogar noch kaputter ist als eine Hexe, die in tausend Hautscherben zerspringt) wird niemand anders als Gastleserin Jana Klar sein. Über Leben und Werk der amtierenden ZDF-Kultur-Poetry-Slam-Siegerin sowie Berlinerin, die verwirrenderweise derzeit im um nur wenige Buchstaben anderen Biel lebt, informiert inklusive Textproben, Videos und allem Schnickschnack deren wunderbare Website.

Bleibt, um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, also nur noch zu erwähnen, dass die üblichen (Achtung: Gebrauchtkraftfahrzeugshändlervokabular!) Extras wie Open Mic für 2×5 Minuten für alle Textvortragswillige aus dem Publikum sowie unfassbar pingelig pünktliche Beginnzeit und außerdem freie Sitzplatzwahl beim guten Alten bleiben.

Frohe Kurzfakten für die Fastenzeit:
DO 12.04.2012 20:00 Uhr im Moustache: T.o.R. mit Jana Klar

Geschrammelte Performanz männlicher Schönheit: Das war T.o.R. im März

Die just auf 08. März fallende Ehrenfeier der Weiblichkeit, diesen Bastard aus Valentins- und Muttertag, beging die innerhalb der rauen, dem Bauerntum verpflichteten Felsenwelten des Tiroler Alpbollwerks erstaunlich charmante Lesebühne Text ohne Reiter dem Anlass entsprechend: Es war ein Schaulaufen versprachlicht verschenkter Handküsschen und Pralinenschachteln, ein Galan nach dem andren marschierte gockelgleich vors Mic, um das Publikum des Moustache zu bezirzen, wobei ungeklärt bleibt, ob die Abwesenheit von Markus Koschuh, der unweit einen neuerlich gefeierten Kabarettauftritt absolvierte, von Vor- oder Nachteil war.

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Als oberster Charmebolzen bezauberte Wiens schönster Mann, der Hans Moser unsrer digitalen Generation: Marc Carnal. Dieser hat doch tatsächlich bereits mit Österreichs Männertraum und Beispiel angewandten Feminismus‘, nein nicht Lotte Tobisch, sondern mit der Jazz Gitti getanzt, bzw. sie nicht unähnlich eines hübsch herausgeputzten Satelliten umrundet, das Lesebühnen-Personal freute sich ob der Ehre daher schier rauschselig, es müssen vormalige, nunmehr in Menschengestalt inkarnierte Rebläuse gewesen sein, die auf dem Wettsofa saßen, glücklich wie Honigkuchenponys, gebacken aus Eier, Butter, Bier, sich ob der vorgetragenen, den Heurigen-Stanzeln Transdanubiens alle Ehr‘ erweisenden Reimgesängen, Bänkelliedern und prosaischen Erörterungen aufgefundener Einkaufslisten höchst amüsierend. Carnal las vom kotzenden, den Abort besudelnden Suppenkasperl, der gesundheitlichen Bedeutung des Apfels (u. a. Trinkst du Apfelsaft statt Branntwein, braucht der Arzt ein zweites Standbein), offenbarte die Knechtschaft, unter welcher schöne Menschen mit ihren güldenen Locken und dem satten Königsblau ihrer Augen zu leiden haben und brachte als Zugabe sogar eine dem höfischen Minnesang-Ideal durchaus entsprechende höfliche Version des Battle-Raps dar.

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Stefan Abermann, endlich gesundet und nach der erzwungenen Pause unruhig im Backstageraum scharrend, malte jenen Punkt, der am Ultraschallbild einen Embryo verrät, zum pointilistischen Kunstwerk aus, spannte einen berührenden Bogen vom Betrachten des Fotos bis hin zu jenen pubertär hormonellen Schwankungen, denen dieser Punkt in einigen Jahren, wenn wir unsere Literatur-Show schon längst im Wiener Burgtheater oder zumindest auf der Festung Kufstein abziehen, ausgesetzt sein wird, und erkannte in eben diesem unscheinbaren Punkt einen Lebensinhalt, dessen Bedeutung etwa die Punktewertung des Slams nie erreichen wird können. Abermann blieb diesem Thema, nämlich den Zwängen und Freuden der Pubertät, in gewisser Hinsicht treu und las später vom Wert Youporns, dem Heiligen Gral der Hormongepeinigten, welcher endlich die Aufklärung vonseiten frigider Biologielehrerinnen erübrigt und somit auch vergangene abermann’sche Vorstellungen beseitigt, die in all ihrer anatomischen Schrecklichkeit einen Spermatunnel bis ins Gehirn der Frau inkludierten, aber gut, jetzt schafft das WWW Gleichheit und auf der gemeinsamen Wissensbasis von DP, Creampie, Bukkake und BDSM verliert auch allererster Blümchensex seine furchteinflößende Aura und kann sogar richtig geil werden.

Robert Prosser trug die Geschichte eines alten Schauspielers vor, der, ebenso hässlich wie konzentriert seiner Rolle als Richard dem III verfallen, Shakespeares Geistern folgt, herzkrank die Tätowierungen auf seinem Oberkörper zum Sprechen bringt und sich im Verlauf der Geschichte als Freak entpuppt, dessen Mark vor lauter Leidenschaft und Hingabe unter der Griffelspitze des toten Dichters vibriert. Als zweiter Text folgte Prosser’s verschriftlichter, liebster Trunk, nämlich über „Sex im Wald“ zu rhythmisieren, eine Verfilmung dieser Wälzereien zweier Menschen im gefallenen Herbstlaub, nah am Bachufer, würde auf einschlägigen Internetportalen vermutlich zum dauernd beklickten, befappten Publikumsrenner avancieren.

Martin Fritz, der Radikalstifter zum Metaquadrat, begann seinen Auftritt mit: “So bin ich also Lesebühnenautor geworden“, er malte uns Performanz-Schrammlern Gefühlswelten ins Innere, die sich ums Saufen und Rumhuren drehten und erzählte vom Leben der Bühnenpoeten, dieser lichtscheuen Trunkenbolden mit stumpfsinnigen Texten, einzig mit Schnäpsen aufrecht zu halten erfüllen wir, „das One-Trick-Pony der Unterhaltungsindustrie“, unsre schmutzige Pflicht. Weiters folgten die zehn besten Ecken Innsbrucks zum Rumstehen, irgendwo heulte ein Wolf, und Fritz las einen Text über eine junge Frau und ihren E-Mail Entwurf, welcher die Bronzezeit und deren damalige lukullisch leckere Pizzen, dank Blasebalg in Höhlen gezaubert, und den Geist, der den Mauszeiger bewegt, streifte.

Zu guter Letzt kam sogar noch Markus Koschuh, stürmte von der Kabarettbühne, den Zugabenapplaus noch im Rücken, ins Moustache und während draußen vorm Lokal mit entzündeten Fackeln bewehrte Agrarier warteten, die Spitzen ihrer Mistgabeln bedrohlich an den Fensterscheiben kratzten, las er als Abschluss unsres literarisch-reimfrohen Märzenbechers eine Erörterung zu Martin Fritz vor, dem Rain Man des beginnenden 21. Jahrhunderts, und führte damit Lesebühne und Internationalen Frauentag einem gelungenen Happy-End zu, das Schaulaufen der Gockelgalane fand im Gegensatz zur trinkfreudigen Nacht ein Ende, doch bereits am 12. April 2012 wird ein neuerlicher Reigen eröffnet, und zwar mit SpokenWord Maestra Jana Klar.

Die übliche Verbeugung

Fastfacts, ins angeduselte Heurigen-Schunkeln nachgereicht:
Nächstes T.o.R.: mit Jana Klar, am Do. 12. April im Moustrache, um 20 Uhr

Die kommenden Aufstände bis zur Sommerpause

Während draußen schon die ersten Sonnenstrahlen die Katzen auf die Blechdächer treiben, denkt das Herz der Finsternis, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, schon daran, was wir nach dem nächsten Sommer getan haben werden. Kurz gefasst sind dies viele schöne Auftritte mit vielen schönen und erbaulichen Gästen und genauer ist dies hier nachzulesen:

t.o.r. flyer frühling/sommer 2012<br />
T.o.R.-Logo (c) Pascal-Anne Lavallée Layout (c) Carmen Sulzenbacher

* DO 12.04.12 mit Jana Klar (Berlin/Biel)
* DO 10.05.12 mit Remo Rickenbacher (Thun)
* DO 14.06.12 50. T.o.R. Jubiläum-Best-Of mit Überraschungsgast

Unser Dank gilt naturgemäß und wie immer Carmen Sulzenbacher fürs Layout des Flyers.

Die ganzen Details, Credits und Co kommen dann noch just in time auf allen magischen Kanälen auf euch zu und ihr hoffentlich zu diesen erquicklichen Anlässen alle ins Moustache.

Die Donnerfaust und errötende Asen: Das war T.o.R. im Februar!

Ullr, der nordische Gott des Winters und der Skiläufer, Eide, Jäger und Bogenschütze auf Skiern (true story) mag Tirol noch so eisig klirrend an der Gurgel gepackt haben, wir ließen uns nicht unterkriegen, ja sollen sich die zwölf Asen doch in ihrem vergleichsweiße warmen Asgard gegenseitig aus der Edda vorlesen und finnisch saunieren, wir hielten selbst in diesem Feber unsre Audienz, vom Winter umstürmt, mit Schneekristallen im Haar, als wären wir orientierungslose Eiskunstläuferinnen, trauriges Strandgut der Innsbrucker Youth Olympic Games, verloren fern der Heimat, aber stolz und von kleinen Krönchen geschmückt.
Zwar nicht vollzählig – Stefan Abermann kam a) unter die Kufen, wie es im fancy Lingo der Jungolympioniken heißt, b) zwischen die Schienen, wie man es in Wörgl, dem aus frühpensionierten Schaffner bestehendem Mordor der ÖBB, bezeichnet und verlief sich c) im Astwerk des Yggdrasils, wie die linkischen Asen tuscheln, lässt sich einer von ihnen von einer Wanengöttin beißen, aber genug des Tratsches: Gute Besserung! – wurde dennoch das lesebühnenmöglichste unternommen, die zahlreich anwesenden Gemüter ganzheitlich zu erwärmen.

robert prosser und max höfler im gespräch

Von Martin Fritz und Robert Prosser charmant moderiert (wobei ersterer zumindest zu Beginn etwas Mühe mit dem von einer Johanneskraut-Kur vernebelten, fröhlich weggetretenen Alpbacher hatte) wurde eine Rettungsgasse in den Saal gepflügt, um unsren Stargast – Max Höfler aus Graz – ein passendes Ambiente zu bieten, das dieser auch schweiniglerisch zu nützen wusste, um vom Beamer unterstützt aus seinem Debütroman Texas als Texttitel vorzutragen. Da wurden selbst Asengards Mauern schamrot, rauschte doch der Heilige Geist hundertfach beschwängelt für Orgien herab, eifrig zum Halali geblasen wurde die Geschwindigkeits- Erregungsanomalie der Dampfschifffahrt diagrammatisch veranschaulicht, weshalb Matrosen und Heizer kein lauwarmes Lüftchen, sondern ausgewachsene Lustorkane zu überstehen hatten; als Zugabe folgte Höflers Glaubensbekenntnis, welches die Notwendigkeit des Aufstandes wie auch das Versagen Andreas Hofers inkludierte, und alles in allem war es ein gewaltiger Samenerguß, da die experimentelle Literatur in Höfler ihre Geilheitskomponenten erfuhr.

max höfler

Markus Koschuh brachte eine Prosaminiatur zum guten Zeitpunkt des Sterbens vor, in die letzten Atemzüge der alten Frau Gatt webte er Erinnerung und Gefühl zum Sprachteppich, auf welchem die Traurigkeit leise durchs Moustache schwebte. Zum Abschluß des Abends nahm er eine von Prosser vorbereitete und hämisch präparierte Powerpointpräsentation in Angriff, unsre lustige Karaoke ging in die zweite Runde und gar meisterlich dozierte Koschuh über Schwarzmagie, die Zauberkräfte des Menstruationsblutes und das Weghexen von Penissen – und ja, ungelogen: Kakerlaken können wirklich neun Tage ohne Kopf überleben, sie sterben einzig daran, keine Nahrung mehr zu sich nehmen zu können. Im zweiten Part der Karaoke nahm Robert Prosser den Fehdehandschuh Koschuhs auf und log Wissenswertes zur Windenergie, erklärte, warum sowohl Vögel als auch Delfine schnatternd in die Flügel der Räder geraten und wieso das Burgenland landschaftlich so verschandelt ist, und erzählte ferner von seiner neuen Leidenschaft: dem Thaiboxen. Dieses entpuppte sich als heimliches Leitmotto des Abends, Schienbeine starben ab, junge Männer vereinigten sich unterm Banner des Mittelfingers, alles in allem scheint es, als wären die Asen in uns gefahren, derart martialisch zeigt sich die Lesebühne im Rückblick.

Martin Fritz beschäftigte sich in seinen Texten, die ziemlich vieles sehr konzentriert beinhalteten, einmal mit dem Wertcharakter der Nostalgie, schmähte die Hartschalen-Rollkoffer, dieser Geißel der Ersten Welt, irgendwo heulte ein Wolf und Fritz schnalzte dem Publikum den Performanzcharakter der Sprache um die Wollmützen, unser leibeignes Hausthema sozusagen, diese gehäkelten Käppchen, Hartschalen-Rollkoffer des Nightlifes, und entlarvte, dass es sich bei allem um die semantischen Variablen derselben Realität handle – diese kann entweder das Füttern der Haselmaus oder aber Thaiboxen sein, Prosser und Fritz waren sich uneins, wobei ich, der Nachberichtschreiber, ja glaube, dass sich beides nicht unbedingt ausschließe.

die übliche verbeugung

So bleibt nicht vielmehr, als sich den Schnee aus der Mähne zu schütteln und mit warmen Gedanken aufs Märzenspektakel zu hoffen, denn am 08. 03. 2012 stürmen wir wieder unsre Bastion, unterm Banner der Interdisziplinarität, die keinen Unterschied zwischen Literatur und Kampfsport (oder Kleintierfütterungen) duldet, treten wir auf als lebendiger Beweis des Performanzprozentgehaltes der Sprache, und in dieser nahen Zukunft reitet mit uns: Marc Carnal.

Fancy icy Facts:
Next T.o.R. am 08.03.2012 um 20:00 im Moustache, mit Marc Carnal