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Das war T.o.R. im November mit Franziska Holzheimer

Das just einen Tag vorm Karnevalsbeginn endende Bildungsvolksbegehren hatte eine ähnlich hohe Beteiligungsrate wie die Novemberausgabe der alpfidel aufbrausenden Lesebühne „Text ohne Reiter“, was für die politische Agenda desaströs sein mag, für uns aber bedeutete, dass das Moustache erneut aus sämtlichen Ecken und Enden auf die Bühne glotzte; da wurde gedrängelt, geschoben und geflucht, um nur ja ein wenig vom Spektakel mitzubekommen. Wir rückten lustig gleich der Landjugend aus, um einerseits der Volkskultur zu huldigen, andrerseits unser Scherflein zum Bildungsauftrag zu leisten, und vielleicht, wer weiß, gewährt man uns ob des gemsigen Unternehmersinns eines Tages Eingang in die hochgeistigen Gefilde Tirols, und sei’s, dass der Turmbund endlich unsren Mitgliedsantrag annimmt.

franziska holzheimer und martin fritz

Bevor nun also der Fasching seine Schnapszahl würfelte, veranstalteten wir einen der breiten Öffentlichkeit auch in zukünftiger Form aufs bacchanalischste zu empfehlenden Schellensprechlauf, angeführt von der bayrischen Urgewalt Holzheimer Franziska, die wie eine der Fasnacht entschlüpfte Hexe über die Bretter wirbelte, sodass uns allen ob der zur Präsenz destillierten Performance der Obstler im Glas schal wurde. In ihrer elaborierten Art, die das Herz eines jeden Connaisseurs der gepflegten Bühnenpoesie zum Jubilieren brachte, holte sie wahre literarische Glanzlichter hervor, gegen die sogar die Scheinwerfer des Moustache’ wie Katzenaugen an Kinderfahrrädern wirkten: „Erklär mir die Welt, weil Liebe in jedem Falle eine selbstgewählte Falle ist… Liebe gibt es nur, weil es Angst gibt, wer Freiheit will, darf die Einsamkeit nicht fürchten.“ Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, aber damit nicht genug, es folgten dialektal gegen die Saupreißn vorgebrachte Litaneien, Texte, in denen gekotzt und zugleich geliebt wurde, woraufhin der Lesebühne harter Kern versuchte, selber ein paar Höhepunkte und Schlagzeilen aufzufahren, es gab:

Von Stefan Abermann Empfehlungen für den Ernstfall, wenn die beinstarke Freundin (um Hubert von Goiserns These vom Unterschied zwischen Stadt- und Landmädel und deren ungleich starken Wadeln zu widersprechen) den Seelenpartner auf ihren Schultern aus der belagerten Stadt zu tragen hat, sowie eine Enzyklopädie des sanftmütigen, lyrisch veranlagten Lerchendorns (der somit als idealer Gast der Lesebühne identifiziert wurde und vielleicht schon bald die hiesigen Bühnen neobiotätisch entern wird), von Robert Prosser, dem aus Madchester angereisten United-Hooligan, Einblicke in anthropologische Studien zur globalen Kultur der Trinksprüche, deren in Feldforschung gesammelte Beispiele zwar nicht aus englischen Pubs, aber dafür aus Ladakh und dem Brixlegger Montanwerk stammten, und der im weiteren Verlauf des Abends die Tätowierungskünste Armeniens präsentierte, von Martin Fritz folgende Erkenntnis: „Wer nichts ist, ist Essayist“, eine Einsicht, die in Marketingstrategien für Meisenknödel und der Rotphase des Ampelverkehrs mündete, um „Leute ohne Geschmack mit Geschmack zu versorgen“, aber damit nicht genug, Fritz konnte beweisen, dass auch Suppe Storytelling ist, wobei besonders die Rindsknödelsuppeneinlage in literarischer Sicht Aufmerksamkeit verdient, und von Markus Koschuh Beatboxing und Freestyle in Alliterationen, er bot ein Anti Ego Update von Kapierski zum freien Download an, entertainte und zog eine stimmlich ausufernde Show ab, die sich in der zweiten Hälfte tagesaktuell mit den 10 Gründen fortsetzte, warum man das Bildungsvolksbegehren nicht unterschrieben hat, wodurch er die vielschichtige Tragik, die hinter politischem Desinteresse stecken kann, entlarvte (Mehr Fotos von alledem nach dem Klick).

Gedankt sei auch Anita fürs Open Mic, die die Schmerzzustände des Liebeskummers, dieses leidigen Gefühls, das einer Fahrt ins finstere Zentrum eines wimmelnden Ameisenhaufens gleicht, poetisch feinsinnig erfasste; jodelnd und Trachtenhirtenhüte in die Lüfte schleudernd verabschieden wir uns und schielen bereits freudselig auf unsren Dezembertermin.

die übliche verbeugung

HARDFACTS:
nächstes T.o.R.: 08. Dezember 2011, 20Uhr im Moustache, mit: Barbara Hundegger

T.o.R. am 10.11. mit Franziska Holzheimer

Franziska Holzheimer

Auch wenn zu dieser Jahreszeit die meisten eher am Laternenbasteln sind, ist Text ohne Reiter, das Textperfomanzkompetenzzentrum mit Herz und Verstand, doch multitaskingfähig und flexibel teilt nicht nur sein Mäntelchen, sondern auch den nächsten anstehenden Termin mit. Der wird mal wieder im Moustache über die Bühne gehen und zwar am Donnerstag den 10. November 2011 pünktlich ab 20:00 Uhr.

Da wäre aber alles noch nichts, hätten wir nicht wieder eine hochkarätige Lesegästin zu präsentieren und diese heißt diesmal Franziska Holzheimer und hat neben guten Texten auch eine schöne Website, der Informationen zu Werk und Leben zu entnehmen sind.

Das Stammteam wird sich auch mal wieder vollzählig versammeln, das Open Mic steht naturgemäß wieder einmal für 2×5 Minuten allen Textvortragswilligen aus dem Publikum offen, Fotographieren und Füttern wird erlaubt sein und somit steht einem schönen Abend doch nichts mehr im Wege.

Kurzfassung unter dem zu kurzen strichlierten Strich:
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DO 10.11.2011 20:00 Uhr im Moustache: T.o.R. mit Franziska Holzheimer

Die kommenden Aufstände

Mit einer Mischung aus Hahnentritt und Space Invaders (aber das kennt ihr ja beides alle nicht mehr…) kündigt die Abteilung für Aufklärung, Tarnen und Täuschen der Textperformanzgruppe Text ohne Reiter die kommenden Termine, Gäste und Spektakel an (Dank gebührt mal wieder Carmen Sulzenbacher fürs Layout des Flyers und das T.o.R.-Logo hat immer noch Pascal-Anne Lavallée entworfen):

der t.o.r. flyer herbst 2011 T.o.R.-Logo (c) Pascal-Anne Lavallée Layout (c) Carmen Sulzenbacher

Und hier noch einmal in der Textversion für alle unserer Fans, die kontrastschwache Bildschirme oder unterkorrigierte Fehlsichtigkeit haben oder die keine Menschen, sondern Suchmaschinen sind:

* DO 08.09. mit Patrick Salmen (Wuppertal)
* DO 13.10. mit den PreisträgerInnen des 4. T.o.R.-Jugend-Literaturpreises
* DO 10.11. mit Franziska Holzheimer (München)
* DO 08.12. mit Barbara Hundegger (Innsbruck)

Schon bei der Erstlektüre wird klar, dass unsere Abteilung für Große Pläne für die Zukunft, Einladungspolitik und Vierterminsplanung mal wieder nicht Schmalhans Küchenmeister hat sein lassen, oder wie das heute wohl heißt: geil abgeliefert hat und so bleibt uns doch bitte gewogen, wir werden es auch bleiben und die ganzen Details bekommt ihr dann immer jeweils just in time ins Browserhaus geliefert.