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Easy gespotted: Das war T.o.R im November 2013

Pünktlich wie Amazon-Dronen sind die Nachberichte von Text ohne Reiter, jener Lesebühne, die für die vier Stammautoren das ist, was für Kanye West ein Motorrad darstellt. Bound hoch 3, sozusagen.

clara felis und markus koschuh

Fritz und Koschuh moderierten die Novemberauflage wie zwei stolze Martini-Gänseriche, schnatternd und aufgeregt flügelschlagend, dabei nicht einer gewissen Eleganz entbehrend. Doch nicht nur die beiden verstummten ehrfürchtig, als der Lesebühne Gästin Clara Felis zu Izzi Bizzi Teeny Weeny (Markus Koschuh bewies einmal mehr außerordentliche Fähigkeiten als DJ) ans Mic steppte.

Fräulein Felis ist am hiesigen SpokenWord- und Slamhimmel das, was ein als Glühwein getarnter Long Island Icetea an Innsbrucker Christkindlmärkten ist, nämlich ein Turbolader ihres Metiers. Trotzdem easy wickelte sie die Publikumsheerscharen um den Finger: „Sag mal stopp zu den Grünampeln, die nicht rot werden und deshalb keine Verschnaufspausen gönnen, lehn dich zurück und mach mal halblang“, führte die gebannt Gefesselten im Windschatten einer Radbotin durch Straßen: „die Stadtansicht ist Stadt an sich“, und versäumte nicht, per frenetisch geforderter Zugabe auf die nervtötenden Elemente im (Liebes-)Glück der Mitmenschen hinzuweisen. Einfach großartig, wir und unsere Pferdchen verneigen uns tief.

Stefan Abermann forderte zu vermehrten Biergenuss auf, immerhin macht Bier nicht nur andere Menschen schöner, sondern auch den Trinker selbst. Er offerierte Details, wie die als Grenze eingebaute Fahne, die verhindert, dass wir alle, die wir das Bier wie unsere Lesebühne lieben, in Körpersäften ertrinken. Es folgte ein Brief an den Sohn, den dieser in ferner Zukunft, da der Vater längst im Altersheim liegt, zu lesen kriegt: „Der Tag der Rache ist gekommen, du musst mich pflegen. Und wenn du das alles gemacht hast, dann war das Dummheit. Oder vielleicht Liebe. So wie früher zwischen dir und mir.“

Martin Fritz las aus „Radfahren schön trinken“, just im Milena-Verlag erschienen, und gab Einblicke in den Häschenkurs des Bachmannpreises, in dessen Zentrum der dunkle Fürst der finsteren Anekdotenausschmückung Audienz hält und mit Thomas Klupp nacht (oder nackt, ich bin mir unsicher) schwimmt. Es folgte ein mit Songtiteln gespickter Text, der sich um die Radio-Aktivität von Autor und DJ, den zwei ärmsten Schweinen des Kulturbetriebes, gleichermaßen kümmerte, sowie ein Aphorismus erster Güte: Was sagt die Freundin zum Alkoholiker: Sex oder nie mehr Ex.

clara felis

Robert Prosser lieferte Einblicke in die Riots von Manchester anno 2011, ein Teil der damaligen Flammen war in diesem Text zu spüren, und trug seinen Beitrag für Spotted: University Innsbruck vor, worin ein etwas älterer Herr ein wunderschönes Mädchen im Männerklo des Queens-Club entdeckt, bzw. sich zu ihr unters Pissoir legt, samt Gesang und viel, viel Liebe. „Sei das M in meiner DMA.“ – das ist doch mal eine Ansage.

Markus Koschuh trug eine vertrackte, an „In Bruges“ erinnernde Geschichte vor, worin ein Fleck auf einer Hose, ein ehemaliger Polizeihund und zwei Krokodile zu Explosion, Mord und Todschlag, sowie eingemauerten Frauen führen. Am Ende überlebt nur einer, nämlich der dreckigste von allen. Den kriminellen Energien treu bleibend verzückte er zudem mit dem Verhör eines Mannes, dessen Opa tot aufgefunden worden war, und redet sich dialektal um Kopf und Kragen.

Das Open mic wurde von Iris bestritten, Kardamomkaffee, Kehrtwenden und Kapitäne zogen auf großer Fahrt durch ihre Gedichte. Iris genoß die Zigarette danach und ja, sie hatte sie sich auch wirklich verdient.

t.o.r.

So und nicht anders wird es gewesen sein, jüngst im November, es bleibt der Hinweis auf die diesjährig frühe Bescherung, die da zu Innsbruck vonstatten gehen wird am 12.12. im Moustache, mit Yasmo als Specialguest.

Fast Facts: Next T.o.R am 12.12.2013, 20 Uhr im Moustache, mit Yasmin Hafedh

T.o.R. im November mit Clara Felis

clara felis

Anfang November pflegt die Welt als ganze ja ganz kirre zu werden von Ganslschmäusen, Weihnachtsmarkteröffnungen und anderem schaurigen Brauchtum des Nebelungs und Schlachtmonats, aber die federviehaffinsten Appropriateure weltweit – oder wie manche auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne – kapitulieren nie.

Dies äußert sich u.a. darin, dass die Nebenerwerbs-Federkielholer und hauptamtlichen T.o.R.-Stammautoren, die da heißen Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser sich am Donnerstag, den 14. November 2013 um 20:00 wieder einmal mehr im Moustache versammeln wie die Gänge beim Törggelen um Kostproben ihrer Literaturperformanzeloquenz zu geben.

Als besonderes Zuckerl bringt uns dazu der Pelzmärtel Clara Felis als Gastleserin, deren Bedeutung für die Slam-Poetry- und Spoken-Word-Szene in Wien und weit darüber hinaus sich nicht nur z.B. neulich im Sieg beim Busbimslam-Finale, sondern z.B. auch in der wissenschaftlichen Buchveröffentlichung Auf den Spuren der Lyrik beim Poetry Slam zeigt – diese Bühnenpoetin weiß, wovon und wie sie darüber spricht.

Alle weiteren Traditionen werden gewahrt, d.h. Open Mic-Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum und althergebracht pünktliche Beginnzeit samt noch früherem Erscheinen der Klugen, die Sitzplätze mit guter Sicht bevorzugen. Wir schnattern jetzt schon wie die Gänse im Stall und leuchten wie alle Laternen und Sterne zusammen.

November-News:
Do 14.11. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Clara Felis (Wien)
Und zum Facebook-Event geht es hier entlang.

Das war T.o.R. im Oktober mit Patti Basler

symbolbild sturm auf den gelben adler
(Symbolbild: Illustration zu Stefan Abermanns Gasthaussturm-Text)

In aller gebotenen Kürze, da unser traditioneller Nachberichtschreiber bekanntermaßen verhindert war: Das T.o.R.-Lesespektakel war auch in seiner Oktober-Inkarnation ein großes Fest, Patti Basler wusste zu berichten vom Aufreißen von Zahnärzten, Zweisprachigkeitsproblemen zwischen Toilette und Kegelbahn, Liebe in Zeiten der Adipositas und den dazu passenden Chips des Zweifels und die restliche Stammbelegschaft der Lesebühne glänzte mit den üblichen Themen, also alte Damen & Heimtiere, Literaturnobelpreis & Fernsehen, Saure Gurken & Reparaturseidln sowie Riesenschnitzel & dichte Gäste. Zu drüberstreuen durften wie noch Phil Marie am Open Mic begrüßen, der die Lächerlichkeit der Anbahnung sexueller Handlungen beschrieb und somit geschickt zum weiteren Abend- und Wochenendverlauf überleitete. Hernach fiel noch viel Schnee über die Angelegenheit und verhinderte so wohl, dass Gras darüber wuchs, aber was macht das schon, wenn es insgesamt ohnedies so schön war. Fotos kommen nach, und das nächste T.o.R. lässt naturgemäß auch nicht mehr lange auf sich warten und geht am Do 14.11. über die Moustache-Bühne, vorfreuen können wir uns dabei auf Clara Felis.

EDIT: Fotos gibt es inzwischen auch und zwar hier, mit Dank an Carmen Sulzenbacher.