T.o.R. im Feber mit Klaus Lederwasch

Klaus Lederwasch

Viele brauchen äußere Anlässe wie fünfte Jahreszeiten, alle vier Jahre stattfindende Spiele oder 100-Jahres-Jubiläen um sich in seltsamen Gewandungen merkwürdigen Tätigkeiten zu widmen, die sie im Alltag unterlassen, nicht so aber die anlassunbezogensten Energieferialpraktikanten des Jahrhunderts, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, der Innsbrucker Lesebühne. Und so wird es nicht ausbleiben, dass die Freizeitchronisten und hauptberuflichen T.o.R.-Stammautoren namens Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser am 13. Februar 2014 um 20:00 Uhr wieder im Moustache zu fröhlichen Gegenprogramm zu Übeln wie Villach, Sotchi und Weltkrieg zu bitten.

Fünfter Energielieferant des Abends wird Gastleser Die Klaus Lederwasch aus der Steiermark sein, dessen bühnenliterarisches Können nicht nur im Sieg beim Ö-Slam 2012 seinen Niederschlag fand, sondern auch in Aufträgen als Storywriter für Disney-Filme.

Im dritten Absatz sei noch darauf hingewiesen, dass die Open Mic-Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum sowie die wie immer gleich pünktliche Beginnzeit sich ebenso wiederholen wie die Feststellung, dass es hinterher gewiss so schön gewesen sein wird, dass wer nicht dabei war, es jetzt schon bereuren sollte.

flotte Fakten Feber:
Do 13.02. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Klaus Lederwasch (Graz)
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Palindromatische Hasselhoffoden: Das war T.o.R. im Jänner 2014

die karin

Die Liebe ist Sieger; stets rege ist sie bei Leid – so ließe sich die vergangene Show in einem Leitsatz einfangen, da es dem jüngsten Höhepunkt unseres Bühnenlebens weder vor großem Gefühl noch vor kluger Gesellschaftskritik die Sprache verschlug. Der Start ins Jahr 2014 war Performanz gewordener Furor und einer jener glücklichen Momente, die ein Künstlerdasein so kostbar machen, begeisterte dieser Abend Mitte Januar doch Publikum und Vortragende gleichermaßen. Zwar weiß Text ohne Reiter zu jeder Tages- wie Jahreszeit zu überzeugen und nimmt in dieser Eigenart die Charaktereigenschaften eines Palindroms an, welches sich weniger an ein bestimmtes Zeichensystem hält und von vorn nach hinten sowie retour lesbar wäre, als es vielmehr durch Raum und Zeit reicht und da wie dort immer gut ist, der Jänner-Ausritt aber wird uns nachdrücklich im Gedächtnis bleiben.

Diese Unvergesslichkeit ist insbesondere unserer Gästin zuzuschreiben: die Karin (bzw. grammatikalisch richtig, als Künstlernamen jedoch nur mäßig geeignet: der Karin), die für den heimischen Slam das ist, was die Voest für Linz symbolisiert: ein Kraftfeld surrender Grazie und dampfender Wut. Sie, also Karin, bot ein Feuerwerk an Idee und Themenvielfalt, sodass man regelrecht zu spüren glaubte, wie das vergangene Silvester im Nachhinein neidisch erblasste. Erstmals in unserer nicht nicht langen Geschichte wurde ein Text vorgetragen, der auf den Namen der Lokalität Bezug nahm, in „Ich oder mein Schnurrbart oder: Moustache“ sinnerte die Karin über ein Wort, das man sich auf der Oberlippe zergehen lassen kann und dessen Besitz einer Frau echte, wahre Emanzipation ermöglichen würde. Vom Pornobalken ging es weiter zum Anthropologie-Studium und den damit verbundenen mangelhaften Anerkennung vonseiten der Mitmenschen. Darin enthalten war (zumindest aus der Sicht des Nachberichtschreibers, der selbst ein Studium der Kultur- und Sozialanthroplogie mit Genuß absolviert hat) der Witz des Abends, den nachzuerzählen wenig Sinn macht, weil die nötigen Hinweise auf Margaret Mead u.ä. den Rahmen dieser kurzen Zusammenfassung sprengen würden, es ging auf jeden Fall um die in Hinblick auf die verwandtschaftlich Lineage korrekte Antwort auf einen Verbalangriff a la Deine Mutter.
Weiters wurde radgefahren, mit der leisen Hoffnung, wie im Film “Mädchen, Mädchen” durch Orgasmen belohnt zu werden, und sich mit der Touristen-Plage rumgeschlagen, deren erfolgreiche Abwehr in einer Aussage kulminierte, die auf Tshirts zu drucken sich anbietet: Wir sprechen Deutsch, Österreichisch und Dialekt, Oida! Und wenn es jemand nicht versteht, dann reden wir halt langsam.
Das Publikum war hin und weg und wir erst recht, tief verbeugten wir uns vor der Karin (die Karin), und stolperten im Versuch, mit Prinzessinenknicksen und Kratzfüßchen unserer Bewunderung Ausdruck zu verleihen, tolpatschig durch die Gegend.

t.o.r.-chor

Damit nicht genug wusste die Jänner-Auflage unseres Spektakels mit Themen aufzuwarten, die sich in zwei Schwerpunkte zu bündeln bequemen:

Leibliche Ausschweifung: Stefan Abermann las von einem Körper von Gewicht, der Hosen schrumpfen und neue Muskeln wachsen lässt und sich, ähnlich dem Universum, immer weiter ausbreitet, bis der einzige Gesprächsraum, der bleibt, nur mehr eine Frage erlaubt: isst du das noch?
Passenderweise wusste Markus Koschuh ein Rezept aus Mein Mampf einzustreuen, nämlich Hühnchen braun. Martin Fritz trug eine Fake Amazon-Review zum Erotischen Landmaschinenkalender 2014 vor, welcher vom Rezensenten ob des eklatant ausgestellten Sex-Appeals nur einen Stern verliehen bekam.
Robert Prosser brachte ein Märchen von einem Frosch, der reihenweise Frauen unglücklich macht. Eingeleitet wurde diese gleichsam als Fake-Amazon-Review getarnte Neudeutung märchenhaften Materiales mit Live-Karaoke zu Du von David Hasselhoff. Ganz großes Kino. Man kann es nicht oft genug betonen: nichts macht so glücklich, als wie laut und ohne Rücksicht auf gesellschaftlichen Status zu singen. Und ja, wenn Hasselhoff seine Pisse trinkt, riecht sein Spargel komisch.

Linguistische Extravaganza: Stefan Abermann entlockte dem Google Translator Phrasen, die zwischen grenzgenial und Bundy changierten: Vielleicht bin ich in meinem Kopf. Dieser Mann ist nicht ihre Macker. Du bist ein gutes Mädchen. Markus „sind wir mal froh, dass der Nachberichtschreiber die Notizen vom Dezember verloren hat und nicht den leisesten Verdacht hegt, dass da jemand einen bereits im Monat zuvor dargebrachten Text vortrug“ Koschuh blickte in die Zukunft, in welcher Prosser den Abermann Hund erschossen hat und gab von sich preis, ein zutiefst kindliches Kind gewesen zu sein, das gerne Nudelbrot aß (oder war es doch Nutellabrot?) Martin Fritz bot ein Worst-of-Vier-Schanzen-Tournee, indem er Originalzitate von Morgenstern Amann Diethart gekonnt montierte. Und Robert Prosser las einen textlichen Bastard, der alles beinhaltete, was mit synthetischen Drogen, Graffiti und Only Lovers Left Alive zu tun hat.

Dankenswerterweise wurde das Open Mic in beiden Hälften genützt, einmal von Franz Xaver Franz, der einen Text über Silvester stoned as hell vorbrachte, und ein anders Mal von Philmarie, der über die grassierende Wassermelonenwirtschaft gewichtiges zu sagen wusste.

die übliche verbeugung

Es bleibt somit nur darauf hinzuweisen, dass bald Fasching ist und es keine bessere Gelegenheit gibt, sich darauf einzustimmen, als am 13. Februar 2014 um 20 Uhr ins Moustache zu wuseln, zum nächsten, karnevalesken Text ohne Reiter Reigen mit Klaus Lederwasch.

In diesem Sinne:
Too far, Edna, we wander afoot.

T.o.R. im Jänner mit Die Karin

Vieles ist unsicher, aber eines gewiss: Nothing changes on new year’s day. Und das kommt der konstantesten Invarianz, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, der Innsbrucker Lesebühne sehr entgegen, denn wenn die eins verinnerlicht hat, dann dieses: dass abwechslung immer das gleiche ist wie wiederholung / denn zu jedem zeitpunkt wäre beides ja als nächstes möglich.

Wir fassen also keine neuen Vorsätze, die dann doch keiner Evaluation stand halten, sondern bleiben einfach bei unseren altbekannten Stärken und wiederholen das Erscheinen der standfesten Kontinuitätsgaranten und hauptberuflichen T.o.R.-Stammautoren mit den auch im neuen Jahr gleich gebliebenen Namen Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser im beharrlichen Moustache und zwar am 9. Januar 2014 um 20:00 Uhr.

Beibehalten wird auch die stete Tradition der Herren Stammautoren, sich dabei von einer Gastleserin an Grazie, Vortragskunst und Eloquenz übertreffen zu lassen, und diese Aufgabe wird dieses Mal Die Karin souverän erledigen, hat sie doch beim als “Debakel von Linz” in die Geschichte eingegangenen Städtebattle ihr Scherflein für ihre Heimatstadt beigetragen und auch ansonsten ist die bekennende Palindromliebhaberin ein Fixstern der Bühnenliteraturszene.

Beständig bleibt naturgemäß auch die Open Mic-Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum sowie die wie immer gleich pünktliche Beginnzeit. So viel Persistenz ist in Zeiten, in denen angeblich die einzige Konstante ist, dass sich alles immer ändert, natürlich nicht gut angesehen, aber es wird schon auch für etwas gut gewesen sein, darum walk this lonely road with us, and we’ll walk with you.

Januar-Jahresanfangs-Fakten:
Do 09.01. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Die Karin (Wien)
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Rock ‘n Roll! Das war T.o.R. im Dezember 2013

yasmo

Was sonst eigne sich besser zum Jahresbeginn, als reinen Tisch zu machen und verschämt ein Geständnis abzuliefern: wie bereits in Vergangenheit passiert, hat der ansonsten tadellos werkende Nachberichtsschreiber unserer Lesebühne, die aufgrund ihres aus Ennui gespeisten Stilbewusstseins Jim Jarmusch das Giftgrün blanken Neides in die Augen zu zaubern vermag, seine Notizen irgendwo in Innsbruck verloren oder in Wien verkauft, oder, wahrscheinlicher, im dazwischen liegenden Tiroler Unterland verbrannt, in einer Gegend also, welche ob der Krautinger-induzierten und als Brauchtumspflege getarnten, feiertäglichen Ausschweifungen (die, wie fleissige Komparatisten längst wissen, nicht wenig leisteten, um J.R.R. Tolkien die Inspiration zu Mordor zu verschaffen) per definitionem dazu geeignet ist, schüchterne Dichter, Manuskripte wie Nachberichtsnotate unterm Arm geklemmt, in einen alpinen Bewusstseinslooping a la Evel-Knievel-Acidaction zu stürzen, der Hunter S. Thompson zur Ehr gereichen würde und gebrochene Herzen, zerborstene Fenster, sowie mehrere aufgebrachte Schützenverbände inkludierte, was weniger in Euro, als vielmehr mit Erinnerungsvermögen bezahlt wurde. Aus dem stroboskoppulsenden Wahnsinn, in welchen die Lesebühne-Afterparty, die Vorweihnachtszeit, Weihnachtsfeiertage sowie Vorsilvester und Silvester höchtspersönlich versanken, lassen sich nur wenige Tatsachen retten: Am 12. Dezember im Moustache trug Robert Prosser ein Gedicht zu Adam und Eva vor, brachte Martin Fritz die Ausschreibung für die Super-Lesebühnen-Praktikantin zu Gehör, las Stefan Abermann einen mit Songtiteln gespickten Text und ja, Markus Koschuh war auch da. Einige Fakten allerdings stehen frag- und zweifellos fest: Yasmo, Yasmin Hafedh und Miss Lead sorgten a) für einen großartigen Abend, welcher b) vor einer enthusiastischen, unzählbaren und das Moustache bis auf den letzten Zentimeter besetzenden Menge bejubelt und befeiert wurde, die wiederum c) nur ein Wort mehr aus dem Munde der Trinität des Spoken-Words gebraucht hätte, um vollends in einer Orgie der Sinnesräusche zu schlittern, so wie d) Uschi Obermayr beim Anblick von Keith Richards. 2014 kann nicht besser oder ausschweifender werden. Allerhöchstens gesünder.

yasmo

Der T.o.R.-Flyer für Winter und Frühjahr 2014

Das Springerle unter den Vanillekipferln oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, wünscht euch lieben Fans der Widersprüche, der Vagheit und der Differenz naturgemäß die von Herzen kommendsten Season’s Greetings, die sich eins nur denken kann, nicht jedoch ohne vorher mit Stolz und Besinnlichkeit auf unsere kommenden Termine hinzuweisen:

T.o.R.-Flyer für Winter und Frühjahr 2014 (T.o.R.-Logo (c) Pascal-Anne Lavallée Layout (c) Carmen Sulzenbacher)

* DO 09.01.14 mit Die Karin (Linz)
* DO 13.02.14 mit Klaus Lederwasch (Graz)
* DO 13.03.14 mit Katja Hofmann (Halle)

Wie stets gilt unser Dank Carmen Sulzenbacher für die perfekte Umsetzung unserer Antlitze in Hundegestalt, alles weiteren Detailinformationen werden euch zeitgemäß erreichen, wir sehen uns dann 2014 im Moustache. Friede den Plätzchen!

T.o.R. im Dezember mit Yasmin Hafedh

Punsch, Kiachl & Jahresbestenlisten – damit beschäftigt sich die Welt zur je nach subjektiver Wahrnehmung und Einschätzung schlechten oder eben aktuellen Jahreszeit in erster Linie – nicht so aber die intersubjektiv dekohärentesten Relevanzkritiker Westösterreichs – oder wie manche auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne.

Denn die postpostintelligiblen nebensächlichen Abschweifer und hauptamtlichen T.o.R.-Stammautoren mit den abseitig klingenden Namen Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser werden sich ganz ohne saisonalem Gepäck, Getränk und Rückschau am Donnerstag, den 12. Dezember 2013 um Punkt 20:00 Uhr im Moustache sammeln, um von dort der ebenso zwingenden wie zufälligen Digression ein Loblied zu singen oder wie andere auch sagen, ihre zur Adventszeit passenden Texterln aufsagen.

Zentrum dieses Zusammenkommens wird jedoch ohne Zweifel Yasmin Hafedh sein, die wir euch als aktuelle Ö-Slam-Championess soundso nicht mehr vorstellen müssen, denn zumindest den Titeltrack ihres aktuellen Albums Kein Platz für Zweifel kennt ihr ja alle längst z.B. aus den FM4-Charts. Yasmin oder Yasmo ist irgendwie bekanntermaßen ja auch Miss Lead, sodass wir insgesamt gleich drei Personae zu Gast haben, was will man also mehr.

Nebenher und mittendrin gibt es ferner noch wie stets Open Mic-Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum sowie die immer gleich pünktliche Beginnzeit, kommt also alle vorbei, denn im Advent geht es ums Ankommen und ohne wo Hinkommen kann man fast immer nie hinterher wieder weggehen.

Dezember-Dates:
Do 12.12. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Yasmin Hafedh (Wien)
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Easy gespotted: Das war T.o.R im November 2013

Pünktlich wie Amazon-Dronen sind die Nachberichte von Text ohne Reiter, jener Lesebühne, die für die vier Stammautoren das ist, was für Kanye West ein Motorrad darstellt. Bound hoch 3, sozusagen.

clara felis und markus koschuh

Fritz und Koschuh moderierten die Novemberauflage wie zwei stolze Martini-Gänseriche, schnatternd und aufgeregt flügelschlagend, dabei nicht einer gewissen Eleganz entbehrend. Doch nicht nur die beiden verstummten ehrfürchtig, als der Lesebühne Gästin Clara Felis zu Izzi Bizzi Teeny Weeny (Markus Koschuh bewies einmal mehr außerordentliche Fähigkeiten als DJ) ans Mic steppte.

Fräulein Felis ist am hiesigen SpokenWord- und Slamhimmel das, was ein als Glühwein getarnter Long Island Icetea an Innsbrucker Christkindlmärkten ist, nämlich ein Turbolader ihres Metiers. Trotzdem easy wickelte sie die Publikumsheerscharen um den Finger: „Sag mal stopp zu den Grünampeln, die nicht rot werden und deshalb keine Verschnaufspausen gönnen, lehn dich zurück und mach mal halblang“, führte die gebannt Gefesselten im Windschatten einer Radbotin durch Straßen: „die Stadtansicht ist Stadt an sich“, und versäumte nicht, per frenetisch geforderter Zugabe auf die nervtötenden Elemente im (Liebes-)Glück der Mitmenschen hinzuweisen. Einfach großartig, wir und unsere Pferdchen verneigen uns tief.

Stefan Abermann forderte zu vermehrten Biergenuss auf, immerhin macht Bier nicht nur andere Menschen schöner, sondern auch den Trinker selbst. Er offerierte Details, wie die als Grenze eingebaute Fahne, die verhindert, dass wir alle, die wir das Bier wie unsere Lesebühne lieben, in Körpersäften ertrinken. Es folgte ein Brief an den Sohn, den dieser in ferner Zukunft, da der Vater längst im Altersheim liegt, zu lesen kriegt: „Der Tag der Rache ist gekommen, du musst mich pflegen. Und wenn du das alles gemacht hast, dann war das Dummheit. Oder vielleicht Liebe. So wie früher zwischen dir und mir.“

Martin Fritz las aus „Radfahren schön trinken“, just im Milena-Verlag erschienen, und gab Einblicke in den Häschenkurs des Bachmannpreises, in dessen Zentrum der dunkle Fürst der finsteren Anekdotenausschmückung Audienz hält und mit Thomas Klupp nacht (oder nackt, ich bin mir unsicher) schwimmt. Es folgte ein mit Songtiteln gespickter Text, der sich um die Radio-Aktivität von Autor und DJ, den zwei ärmsten Schweinen des Kulturbetriebes, gleichermaßen kümmerte, sowie ein Aphorismus erster Güte: Was sagt die Freundin zum Alkoholiker: Sex oder nie mehr Ex.

clara felis

Robert Prosser lieferte Einblicke in die Riots von Manchester anno 2011, ein Teil der damaligen Flammen war in diesem Text zu spüren, und trug seinen Beitrag für Spotted: University Innsbruck vor, worin ein etwas älterer Herr ein wunderschönes Mädchen im Männerklo des Queens-Club entdeckt, bzw. sich zu ihr unters Pissoir legt, samt Gesang und viel, viel Liebe. „Sei das M in meiner DMA.“ – das ist doch mal eine Ansage.

Markus Koschuh trug eine vertrackte, an „In Bruges“ erinnernde Geschichte vor, worin ein Fleck auf einer Hose, ein ehemaliger Polizeihund und zwei Krokodile zu Explosion, Mord und Todschlag, sowie eingemauerten Frauen führen. Am Ende überlebt nur einer, nämlich der dreckigste von allen. Den kriminellen Energien treu bleibend verzückte er zudem mit dem Verhör eines Mannes, dessen Opa tot aufgefunden worden war, und redet sich dialektal um Kopf und Kragen.

Das Open mic wurde von Iris bestritten, Kardamomkaffee, Kehrtwenden und Kapitäne zogen auf großer Fahrt durch ihre Gedichte. Iris genoß die Zigarette danach und ja, sie hatte sie sich auch wirklich verdient.

t.o.r.

So und nicht anders wird es gewesen sein, jüngst im November, es bleibt der Hinweis auf die diesjährig frühe Bescherung, die da zu Innsbruck vonstatten gehen wird am 12.12. im Moustache, mit Yasmo als Specialguest.

Fast Facts: Next T.o.R am 12.12.2013, 20 Uhr im Moustache, mit Yasmin Hafedh

T.o.R. im November mit Clara Felis

clara felis

Anfang November pflegt die Welt als ganze ja ganz kirre zu werden von Ganslschmäusen, Weihnachtsmarkteröffnungen und anderem schaurigen Brauchtum des Nebelungs und Schlachtmonats, aber die federviehaffinsten Appropriateure weltweit – oder wie manche auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne – kapitulieren nie.

Dies äußert sich u.a. darin, dass die Nebenerwerbs-Federkielholer und hauptamtlichen T.o.R.-Stammautoren, die da heißen Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser sich am Donnerstag, den 14. November 2013 um 20:00 wieder einmal mehr im Moustache versammeln wie die Gänge beim Törggelen um Kostproben ihrer Literaturperformanzeloquenz zu geben.

Als besonderes Zuckerl bringt uns dazu der Pelzmärtel Clara Felis als Gastleserin, deren Bedeutung für die Slam-Poetry- und Spoken-Word-Szene in Wien und weit darüber hinaus sich nicht nur z.B. neulich im Sieg beim Busbimslam-Finale, sondern z.B. auch in der wissenschaftlichen Buchveröffentlichung Auf den Spuren der Lyrik beim Poetry Slam zeigt – diese Bühnenpoetin weiß, wovon und wie sie darüber spricht.

Alle weiteren Traditionen werden gewahrt, d.h. Open Mic-Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum und althergebracht pünktliche Beginnzeit samt noch früherem Erscheinen der Klugen, die Sitzplätze mit guter Sicht bevorzugen. Wir schnattern jetzt schon wie die Gänse im Stall und leuchten wie alle Laternen und Sterne zusammen.

November-News:
Do 14.11. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Clara Felis (Wien)
Und zum Facebook-Event geht es hier entlang.

Fremdgeh- und Texttipps

Text ohne Reiter versteht sich ja als eine Art Johanniskrautteekur, um geneigtes Publikum durch schwere Phasen von Jahreszeit und/oder Gemüt zu bugsieren. In diesem Sinne sei auf LOVE JIHAD hingewiesen, Robert Prossers erster Arbeit fürs Theater. Da steckt die Liebe nicht nur im Titel:

“Ein alternder Schauspieler kommt nur noch als Figur in der Welt vor, eine Thaiboxerin versucht, in ihrem eigenen und in fremdem Schmerz einen möglichen Freiheitsbegriff zu erspüren, während eine Marathonläuferin sich selbst schon verloren hat. Ihnen gegenüber steht ein Attentäter: Der Grenzgänger per se, der seiner Überzeugung mehr opfern will als bloß das eigene Denken.”

Auf die Bühne gebracht von ton/not

Uraufführung: 18.Oktober 2013 um 20.15 Uhr

Weitere Aufführungen: 20., 22., 24., 25., 26., Oktober 2013. Jeweils um 20.15 Uhr, im: “Freies Theater Innsbruck” / Wilhelm-Greil Str. 23 / Eintritt: 12,00 Euro

Regie: Katrin Jud / DarstellerInnen: Michaela Senn, Hannah Knabl, Stephan Keim & Marco Opoku / Produktionsassistenz: Laeticia Kremsner / Komposition: Kenneth Winkler (Kentrix) / Film: Robert Gander / Bühne & Grafik: Jakob Breitenlechner / Kostüm: Margret Wassermann

Und weil sowieso immer viel zu wenig gelesen wird und die Performanz nicht nur auf Bühnen, sondern auch auf Papier passiert, empfehlen wir wärmstens:
intrinsische süßigkeit von Martin Fritz, jüngst im Berger Verlag erschienen:

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und Geister und Tattoos von Robert Prosser, gerade eben vom Klever Verlag publiziert:

GeisterundTattoos

Das war T.o.R. im Oktober mit Patti Basler

symbolbild sturm auf den gelben adler
(Symbolbild: Illustration zu Stefan Abermanns Gasthaussturm-Text)

In aller gebotenen Kürze, da unser traditioneller Nachberichtschreiber bekanntermaßen verhindert war: Das T.o.R.-Lesespektakel war auch in seiner Oktober-Inkarnation ein großes Fest, Patti Basler wusste zu berichten vom Aufreißen von Zahnärzten, Zweisprachigkeitsproblemen zwischen Toilette und Kegelbahn, Liebe in Zeiten der Adipositas und den dazu passenden Chips des Zweifels und die restliche Stammbelegschaft der Lesebühne glänzte mit den üblichen Themen, also alte Damen & Heimtiere, Literaturnobelpreis & Fernsehen, Saure Gurken & Reparaturseidln sowie Riesenschnitzel & dichte Gäste. Zu drüberstreuen durften wie noch Phil Marie am Open Mic begrüßen, der die Lächerlichkeit der Anbahnung sexueller Handlungen beschrieb und somit geschickt zum weiteren Abend- und Wochenendverlauf überleitete. Hernach fiel noch viel Schnee über die Angelegenheit und verhinderte so wohl, dass Gras darüber wuchs, aber was macht das schon, wenn es insgesamt ohnedies so schön war. Fotos kommen nach, und das nächste T.o.R. lässt naturgemäß auch nicht mehr lange auf sich warten und geht am Do 14.11. über die Moustache-Bühne, vorfreuen können wir uns dabei auf Clara Felis.

EDIT: Fotos gibt es inzwischen auch und zwar hier, mit Dank an Carmen Sulzenbacher.