T.o.R. im September mit Andivalent

Andivalent

Meinungen gibt es viele, aber eine davon ist: Go, Bárðarbunga, go! Urlaubsheimkehrunwilligen wie allgemeinen Fluglärmkostverächtern wird die alte Tante Zukunft schon noch zeigen, ob es zu effusiver Spalteneruption oder phreatischen Explosionen kommt, aber um 20 Zentimeter hat der alte subglaziale Zentralvulkan die Kontinentalplatten jetzt schon verschoben. Jetzt ist durchaus meinbar, im Fall vom Island mache 20cm mehr Platz auch nichts aus, aber anderswo kann so etwas entscheidend sein. Und wer entscheidet dann bitte, wem der Raumgewinn durch Kontinentaldrift dann gehört?

Fragen über Fragen, wie auch fraglich ist, ob Vulkanausbrüche im Winter auf der Südhalbkugel Europa den Sommer ruinieren. Und hier zeigt sich: Jahreszeitenbezeichnungen bezeichnen mitnichten etwas rein Zeitliches, sondern vielmehr ein raumzeitliches Geschwurbel, das dann je nach Ascheausstoß irgendwann irgendwo mehr oder weniger Eiskübel vom Himmel kippt. Was wir davon aber halten, ist dem Wetter wurscht und so erwacht die alte geologische Raumzeitkonstante – oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne – langsam aus der Sommerpause wie zeitgleich zu Frühlingsbeginn die Koalabären aus ihrem Winterschlaf, reibt sich zärtlich die putzigen Knopfaugen und erkennt: Aja, da war doch was.

Der Auftritt im September nämlich, und auch der findet fraglos zu einer Zeit an einem Ort statt, nämlich am 11. September 2014 um 20:00 Uhr im Moustache. Von ihren schönsten vulkanologischen Zeitgeist-Meinungen und interessantesten Urlaubsorten erzählen werden die T.o.R.-Stammautoren Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser. Als Gast begrüßen sie dabei Andivalent aus München und wer einen Text über Eichhörnchen im Gepäck hat, wird jederzeit auf unsere Bühne passen.

Stetig wie ein Geysir bleibt unser Open Mic, also die Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum, sowie wie unsere pünktliche Beginnzeit. Nur drunten ist wie droben!

Sprudelnde Fakten:
Do 11.09. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Andivalent (München)
Und zum Facebook-Event geht es hier entlang.

Der T.o.R.-Flyer für den Herbst 2014

Wir haben Flyer und für euch den passenden Partykonversationsstarter: Wusstest du, dass eine Gruppe von Flamingos auf Englisch “Flamboyance” genannt wird?

tor herbst 2014

Hier jedenfalls noch einmal die Termine für euch aufgefädelt wie die Salzseen:

* DO 11.9. Andivalent (München/DE)
* DO 9.10. Michael Stauffer (Biel/CH)
* DO 13.11. Alice Reichmann (Wien/AT)
* DO 11.12. Überraschung zum Jahresende

Dank fürs Layout gilt wie stets Carmen Sulzenbacher und wir klatschen vor Freude in die Flügel wenn wir daran denken Euch bei den Terminen zu sehen, über deren Einzelheiten wir via Funk, Fernsehen, Apotheker und Internet informieren werden.

T.o.R. im Juni mit René Sydow

René Sydow, Foto http://www.more-than-actors.de

Für im schulischen, akademischen oder Literaturveranstaltungsbetrieb Beschäftigte zählen ja weniger Kalenderjahre als Semester und Saisonen und so umweht den Juni aus dieser Perspektive weniger das Gefühl von schnöder Jahrsmitte, sondern vielmehr diese ganz besondere Mischung aus leicht ins proaktiv Nostalgische getupfter Vorfreude auf die und glänzender Besonderheit der ganzen letzten Male vor eben Semesterende und Sommerpause. “Ach, so schön wird es hinterher so bald nicht wieder gewesen sein” beschreibt also derzeit das Empfinden unseres Betriebs vorweggenommener Retromanie, oder wie andere auch sagen: von Text ohne Reiter, der Innsbrucker Lesebühne.

Ganz besonders besonders wird aus diesem Grund auch der letzte Ausritt vor der Sommerpause der Teilzeit-Temporalitätsreflektoren und Vollzeit-T.o.R.-Stammautoren Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser am 12. Juni 2014 um 20:00 Uhr ins Moustache, wo sie treffen werden auf René Sydow, der als Schauspieler, Filmemacher, Schriftsteller, Kabarettist und Bühnenautor (höchstwahrscheinlich unvollständige Aufzählung) wohl so ungefähr alles kann und in Innsbruck unseres Wissens nach zum ersten und hoffentlich auch nicht letzten Mal live zu erleben sein wird.

Auch nicht zum ersten Mal gibt es unser Open Mic, also die Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum, sowie wie unsere pünktliche Beginnzeit. Lasst uns also noch ein letztes Mal vor dem gewiss besten Sommer aller Zeiten zusammenkommen, nur diesmal seid ihr noch vor unseren Text gewordenen Urlaubserlebnissen sicher!

Fast Facts:
Do 12.06. 20:00h Moustache: T.o.R. mit René Sydow (Dortmund)
Und zum Facebook-Event geht es hier entlang.

Wrestling im Confettiwirbel: Das war T.o.R. am 8. Mai 2014

Stefan Abermann, unser Obmann und Maskottchen in Personalunion, weilte zwar als Lesebühnen-Botschafter-der-Herzen beim Songcontest in Kopenhagen, aber auch die solcherart reduzierte T.o.R.-Belegschaft ließ nichts anbrennen, sondern servierte, wäre die Lesebühne Kellner und Essgericht in einem, dem Publikum Almhüttenkost samt Masalatornado. Irgendwie war ein Funkeln und Flimmern in der Atmosphäre des Moustache’s auszumachen, als hätte man Conchitas Triumph bereits vorausahnen können, munkelte man später zwischen Höttinger Hallenbad und DEZ, imaginäres Confetti, welches vor allem unserem Gast Christoph W. Bauer zu verdanken war, der aus seinem höchst zu empfehlenden, aktuellen Band In einer Bar unter dem Meer las und das Publikum, in der gekonnten Manier eines mit allen Wassers gewaschenen Erzählers, in konzentriertes Lauschen wog, wie in einer Taucherglocke absinkend zu den unergründlichen Tiefen dieser vielschichtigen Geschichten.

Eigentlich sind wir ja ein Ableger der WWF, also nicht des Clubs mit dem Panda im Logo, sondern jenes der sich in Ringen wrestelnden Menschen, abgekämpfte, heimlich weise Entertainer wie The Ultimate Warrior, Sunnyboys wie Owen Hart anno dazumal, und in dieser aberwitzigen Show aus Archaik und Clownerie glänzten ferner die Berichte einer Schul-Schreibwerkstatt zum Thema „Im Bett mit Stefan Abermann“, geleitet von Martin Fritz, der in der Langeweile die Philosophie entdeckt und den Frühling mit ganz, ganz vielen Vogelen (by Markus „The Nuclear Nighthawk„ Koschuh), bosnischen Deserteursgeschichten samt Auszug einer Erzählung über Hitlers Vorkosterinnen auf der Wolfsschanze, ein Knicks vor Stauffenbergs sich bald jährenden Attentatsversuch (by Robert „The Swinging Shaman“ Prosser), sowie TopTen-Listen, u.a. der Radieschenprinzessinnen von Hall i. T., und ein Theaterstückauszug, der mit Defiktionalisierungsamt und der Abwesenheit des perfekten Scheins hinter den Kulissen aufwartete (by Martin „The hotblooded Hustler“ Fritz).

Es war ein Abend aus Jubel, Trubel, Promiskuität, wir bedanken uns bei den beiden Open mics Philmarie, der das Wetten Dass-Ende mit der Lektüre von de Sade, eines französischen Pornoautors, kurzschloss und anhand des Scheidensekrets ihm unbekannte Frauen erraten wollte, sowie Hans-Peter, der mitreißend Tatsachen nannte, die ihn aufregen, das Sterben der Bienen etwa oder der Umstand, das Disney den 7. Teil von Star Wars produziert.

Es war großartig, aber dies zu toppen wird unsere ernstgemeintes Vorhaben sein, ein letztes Mal vor der Sommerpause am Donnerstag, den 12. Juni 2014 um 20 Uhr im Moustache, mit Rene Sydow.

T.o.R. im Mai mit Christoph W. Bauer

Christoph W. Bauer, Foto (c) Florian Schneider

In Berlin heißen die Bars ja z.B. “An einem Sonntag im August” und sagen kann eins das auch im April, sogar wenn es um den Mai gehen soll. Denn so groß sind die Unterschiede im Inneren von Bars nicht, wie niemand besser weiß als die Forschungsgruppe fiktionale und fiktive Barnamen oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne.

Wenn wir privat eine Bar betreten, verläuft das Gespräch eher wie in einem Kaurismäki-Film, aber das machen wir natürlich alles nur für Euch: Wir sparen uns die Eloquenz, Spritzigkeit und Schärfe der Gedanken und Pointen auf für die Bühne. Und zwar für die Bühne unserer Lieblingsbar, der des Moustache, wo die Teilzeit-Stammgäste und Vollzeit-T.o.R.-Stammautoren Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser am 8. Mai 2014 um 20:00 Uhr wieder einiges zu berichten haben werden von den düstersten Pinten und hellsten Höhen, die sie wie immer nur auf der Suche nach lesebühnentauglichen Geschichten aufgesucht haben werden.

Einiges über Bars zu sagen hat gewiss auch unser Mai-Gast Christoph W. Bauer, den in Innsbruck vorzustellen so nötig wie ein Becks Gold ist. Neben seiner neuesten Veröffentlichung In einer Bar unter dem Meer prädestiniert den eigentlich ja transoeniuvalen (umso mehr freut es uns, ihn über den Inn zu locken) Dichter nicht zuletzt für uns, dass er einen seiner früheren Lyrikbände präsentierte, indem er so lange jeden Abend in einem anderen Bögenlokal las, bis die Bögen zu Ende waren (es könnte Supersonic ebenso gewesen sein wie Die Mobilität des Wassers sollte man mieten können – wir waren dabei, können uns also an nichts erinnern). Wer dazu physisch und psychisch in der Lage ist, ist mittendrin in unserer Liebe.

Darin befindet sich ebenso das Open Mic, das die Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum eröffnet sowie wie unsere pünktliche Beginnzeit. Es wird Moloko fließen wie in der Korova Milk Bar, und Blut wie in The Bronze und im Fangtasia gemeinsam!

Kurze:
Do 08.05. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Christoph W. Bauer (Innsbruck)
Und zum Facebook-Event geht es hier entlang.

Jungbäuerliches Fensterln, pollenballernde Eskapaden: Das war T.o.R im April 2014

Jene Kunst, in welcher sich jahreszeitbedingt der Innsbrucker Hof- wie auch der Münchner Englische Garten so eifrig üben, nämlich pollenballernd, blütensprießend die Wochen der Hochzeiten, Maibäume und Feuerwehrfeste anzukündigen, diese hohe Kunst hormonellen Überschwanges und gepflegter Badassery beherrscht Text ohne Reiter schon lange, wie der April-Ausritt gekonnt zu bestätigen wusste.

Denkt man sich das Moustache als Gewächshaus, stachen folgende floristische Schönheiten leuchtend hervor, bzw. bildeten ein Bouquet, dem Publikum zugeworfen, welches aus Freude ob der Blütenpracht ganz aus dem Häuschen Applaus spendete und Tumult, als wäre das Moustache weniger Gewächshaus als vielmehr Bienenkorb:

Für Menschen auf Rädern war Kärnten ein tödliches Areal, das musste auch schon Jörg Haider erfahren, und apropos Kärnten: der Villacher Fasching war wie Sadomaso, nur in bunten Kostümen, die Einheimischen hatten sich immerhin die Fähigkeit bewahrt, den Umständen zum Trotz zu lachen, und ihr Ausruf “Leilei” glich dem Brunftschrei der Apokalypse. (Stefan Abermann)

Einblicke in die Justizvollzugsanstalt Stein in der Wachau zeigten die Auswirkungen von Frühling und Obstblüte auf den Gefühlshaushalt der Insassen, die gerne das gehabt hätten, wovon ein kleiner Alien für ein Lifestyle- Magazin seines Heimatplaneten unter aktiver Teilnahem und Beobachtung schrieb, nämlich Kontakt zwischen Frau und Mann, um nicht der Fortpflanzung sondern dem Spass zu frönen. (Robert Prosser)

Nach dem Besuch einer Schenke, wenn man nicht mehr wusste, ob man Mensch oder blaues Tier wäre, offenbarte eine Trakl-Neudichtung über Resedenduft, was 13 schwarze Lilien früher zu bedeuten hatten: Man hat noch nicht zurückgerufen, weil der Handy-Akku leer war. Ein Fauxpas, der dem Reporter des Spiegels im Zuge des Interviews mit dem Gewinner des Quiz-Duells nicht unterlief, eines App-Nutzers mit Nom de Guerre SexyBabe 95. (Martin Fritz)

Heinz Strache fiel in Innsbruck vom Rad, im Versuch, sich wegen der ganzen Links-Linken als Grüner zu tarnen, forderte er Freiheit für Neger und Heimatliebe statt Fahrradschiebe, bis Fritz S., der seinen Penis gerne rechts trug, den Schirm in die Speichen des vermeintlich grünen Machos HCS steckte, welcher aufgrund des Sturzes einen Gedächtnisverlust erlitt und glaubte, er wäre Herr Grünbaum, Retter von Wäldern und Suppenspender rumänischer Straßenkinder. (Markus Koschuh)

Dieses Arrangement unsererseits konnte natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass wahrer Dschungelzampano und liebliche Frühlingsprinzessin in einem unser Gast Alex Burkhard war, auf welchen das Publikum reagierte wie Schwerstallergiker auf Pollenflug, allerdings im verkehrten, sprich äußerst positiven Sinne.

Die Münchner Lesebühnenkoryphäe las unter anderem aus „...und was kann man damit später mal machen?“, ein Bus machte einen Bogen, sagte die Dame, sagte die andere Dame und der Frisör fragte: Das Haar wie immer? und brach in schallendes Gelächter aus, die Haarinfanterie flüchtete wie die französische Truppe nach dem Brand von Moskau, der Tag der offenen Tür am Institut für Skandinavistik führte zur Erklärung, ob und wenn ja welches Wikinger-Zeugs man da so treibe, aber nicht nur das, man schaute Breaking Bad und entschloß sich, Cliffhanger in den Alltag einzubauen und als Zugabe folgte die These, dass das Imaginieren der Epiphanie Ekonoklasmus sei…. schier endlos ließen sich die Sprache gewordenen Löwenzahnsamen fortführen, die Alex Burkhard dem Moustache um die Ohren bließ und die Herzen der Zuseher_Innen dabei leichthändig pflückte wie ein Jungbauer Maiglöckchen, wenn er sich unterwegs zum Fensterln entschließt, der Liebsten ein paar Blumen mitzubringen.

Selbstverständlich wurde wieder gesungen, und zwar, als würden wir einem geheimen Drehbuch folgen und am Gesamtkunstwerk basteln, passend zu Frühlingsbeginn und Osterferien Schön ist es auf der Welt zu sein.

Wir bedanken uns bei den Open mics Iris, die mit Alliterationen a la “Föhn facht vor fest verschlossenen Fenstern” Blicke auf sich zog, und Niko-Lina, deren Gedichte Vogelmädchen zum Inhalt hatten, die unter Millionen Menschen unsichtbare Flügel tragen.

Es war großartiger Abend, soviel steht rekapitulierend fest, und bald gibt es die Möglichkeit, dieses Fest der Performanz zu wiederholen oder sogar zu übertreffen, wer weiß:

8. Mai 2014, Text ohne Reiter im Moustache, 20 Uhr, mit Christoph W. Bauer.

These Ten Stunning Facts Totally Made My Day, You Won’t Believe What Happens At #4, oder: T.o.R. im April mit Alex Burkhard

Alex Burkhard

1. Auch den April, den alten Launing-Monat, nützt das viralste Clickbait, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, für einen Auftritt.

2. Zu diesem Zweck werden sich die privaten User Generated Content-Generatoren und hauptberuflichen T.o.R.-Stammautoren mit den Namen Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser am Donnerstag, den 14. April 2014 um 20:00 Uhr wieder in ihr geliebtes Moustache verfügen, und zwar pünktlich.

3. Damit aber noch lange nicht genug: Alex Burkhard aus dem schönen Isarflorenz, wie München ja auch genannt wird, wird uns dabei zur Seite stehen und beweisen, dass seine Texte und Performanz maßgeblich beteiligt waren an der natürlich trotzdem unglücklichen Niederlage des Team Innsbruck gegen München in der Disziplin Poetry Slam. Und lesebühnentauglich sind sie sowieso auch, wovon sich beim Betrachten dieser Videos selbst überzeugt werden kann.

4. Feenhaft wird das also werden, wenn wir alte Affen in den Himmel gehen. Denn if man is

5. and the devil is

6. then god is

7. Und nichts anderes wünschen sich Anrufer_innen bei Musikwunschsendungen im Radio, also wird es für eine Lesebühne auch nicht ganz falsch sein.

8. Sofern wir unseren Geist nicht verlieren, behalten wir auch die Open Mic-Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum sowie die pünktliche Beginnzeit ein. Behaltet den Kopf am Boden und die Füße in der Luft und schwimmt weit draußen im Wasser in Strömen uns zu.

9. Alle April-Facts noch einmal zusammengefasst. Wow!:
Do 10.04. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Alex Burkhard (München)

10. Was ist ihre Meinung dazu? Diskutieren sie mit auf Facebook.

Thomas Schutte 1993 – 2014

10155137_10203688512962790_591754097_n

Diese Nachricht hat uns wie aus dem Nichts getroffen und wir sind fassungslos, tief erschüttert und unendlich traurig. Thomas Schutte, der uns die letzten Jahre mit seinen Texten immer wieder verblüffte und das Publikum begeisterte, ist tot. Thomas, wir haben dich, deine Art zu schreiben und dein menschliches Auftreten in allerbester Erinnerung und sind in Gedanken bei deiner Familie und deinen Freundinnen und Freunden. Schön, dass wir uns kennenlernen und dich ein Stück deines (Bühnen)Weges begleiten durften. In tiefer Freundschaft und Trauer eine letzte Verbeugung.
Stefan Abermann, Robert Prosser, Martin Fritz und Markus Koschuh.

T.o.R. im März mit Katja Hofmann

Katja Hofmann

Jetzt sind wir zumindest was die Jahreszeit betrifft aus dem Schlimmsten auch schon wieder raus und können uns Angenehmeren zuwenden wie etwa Scherzanrufen in Halle an der Saale, in denen wir, die praktischsten Joker der Ferngespräche oder wie andere auch sagen Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, sagen, dass wir nun, wo die Temperaturen Tennis auch im Freien wieder zulassen, die Halle nicht mehr benötigen.

Oder aber wir lassen das bleiben und die Freizeitprankster und hauptberuflichen T.o.R.-Stammautoren namens Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser kommen am 13. März 2014 um 20:00 Uhr wieder ins Moustache um dem Frühling ein Liedchen zu singen, natürlich nicht ohne Unterstützung durch die Lesegästin der Iden des März, Katja Hofmann, die uns für dünne Witzchen über ihre Heimatstadt hoffentlich nicht hasst.

Nichts ändert sich des Weiteren an der Open Mic-Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum sowie der pünktlichen Beginnzeit. Genießt mit uns den Frühling, es wird sowieso wie stets hinterher wieder so schnell vorbei gewesen sein.

März-Memento:
Do 13.03. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Katja Hofmann (Halle)
Und zum Facebook-Event geht es hier entlang.

Floppy Wiener, unzensuriert: Das war T.o.R. im Februar 2014

Klaus Lederwasch

Gänzlich entgegengesetzt der Faschingszeit, die sich in Maskierung gefällt, wusste Text ohne Reiter (der Sprachperformanz gewordene Confettiregen, der übers geneigte Publikum kommt wie das Gold über die sprichwörtliche Marie) mit Enthüllungen zu begeistern:

Die geheimen, während der Winterolympiade in Sotschi entstandenen Tagebücher Andreas Goldbergers belegten dessen Affinität zu klassischer Musik, wie Goldie überhaupt eine zartbesaitete Seele bewies, die, von den mit Wodka getränkten und Ziesel inkludierenden Eskapaden des ORF-Moderators verschreckt, von einer Frage gepeinigt wurde, über die lange nachzudenken sich schickt: “Schmeckt dir unser V-Stil?” Ziesel selbst sprangen Schanzengroßereignisse nach und liebten fingierte Tagebücher sportlicher Berühmtheiten. Die Präzision ihres Denkens mag ihnen bisher oft als Kälte ausgelegt worden sein, endlich aber trat der zärtliche Stil der Reflexion dieser besonderen Tierart zu tage. (Martin Fritz)

Rechercheberichte führten nach Bosnien und wussten von ehemaligen Kriegs-Flüchtlingen zu erzählen, deren Schicksale mit schier poetischen Wendungen und Details aufwarteten. Tanzqualitäten und weiche Knie wurden beim Hakim Bey gewidmeten Happening wider der 2-Paar-Romantik des Valentinstages offensichtlich. Live-Karaoke zu Schmidtchen Schleicher von Niko Haak, die Frauen fürchteten sich und fingen an zu weinen, aber T.o.R. stimmte erneut ein mitreißendes Liedchen an. Diesesmal stand das gesamt Moustache – wir verbeugen uns tief vor dieser kollektivten Lust am befreit-befreienden Singen. (Robert Prosser)

Facebook-Meldungen eignen sich hervorragend, um Anteilnahme zu erheischen, besonders als Teil der Facebook-Gruppe GB – Gute Besserung, Gusch Bua, Gema Budan: die Dramaturgie des Textes ließe sich kaum anders und besser vermitteln. Knochenmarkspenden werden für die kommende NSA-Knochenmarksvorratsdaten fällig, und eine Kontaktanzeige kumulierte in eine schonungslose Selbststudie: Ich jammer nicht, ich hechle. Ich bin sensibel und häuslich. Du solltest bereit sein, endlich mal etwas zu riskieren, nämlich mich: In der Mühl-Kommune hätte man nicht ehrlicher sein können. (Markus Koschuh)

Die heißesten Winterspiele aller Zeiten bedingten eine homosexuell aufgeladene Berichterstattung, in deren Nachwehen sich Lesben im Gemüseregal nahe der Gurken räkelten und schlaffe Penisse einem auf der Straße unvermutet ins Gesicht klatschten. Das Sotschi-Feeling griff um sich: Vladi! Put in! Ein Ruf, der selbst noch spätnachts an der Bar zu vernehmen war, wie auch jener nach einer „Endlösung der Postlerfrage“. In weiser Voraussicht kommender Einsparungen wurde darauf hingewiesen, dass Postler, bei vorsichtiger Handhabe, mitunter als Sexspielzeug zu gebrauchen sind. (Stefan Abermann)

Die größte Enthüllung lieferte aber unser Gast, nämlich sich selbst: Klaus Lederwasch. Leichthändig eroberte der zoologisch freiwildernde, steiermärkische Dichter das Publikum mit Kleinoden wie: „Wenn 1000-Füßler Fußballspielen, dann zittern Krankenkassen“ oder: „Würdest du dein Haus aus Stroh bauen oder aus Ziegel? Sagte der Phyten: Phython.“ Ganz aus dem Häuschen war die begeisterte Meute bei der Geschichte von Crabby, die demnächst in ausgewählten Lichtspieltheatern als neues, heißes Eisen von Walt Disney zu sehen sein wird, um dem Transformer- und Hobbit-Trilogien-Wahnsinn einen Film der alten Schule entgegenzusetzen. Kein animierter Schnickschnack, aber viel, viel Gefühl: Crabby zählte die Sterne, während sich eine hungrige Möwe in Zeitlupe Crabbys Dad schnappte. Wohin die Odyssee den kleinen Krabbenmann führte, sei an dieser Stelle nicht verraten; Lederwasch selbst ist auf jeden Fall ein Garant für großes Kino, zum Abschluß dieses denkwürdigen Abends holte er sogar die Gitarre raus; wir klapperten mit unseren Scherenhänden und unsre Thunfischherzen pochten wild.

Dankenswerterweise gab es zwei Open-Mics zu begrüßen, nämlich Matze, der Werther liest anstelle von 50 Shades of Gray und vor lauter lesen keine Zeit zum Duschen hat, aber eine Bücherbong besitzt, sowie Miriam, deren Text über Schneefall und physisch werdenden Beziehungsstress aufmerksames Gehör fand – beide mögen wiederkommen, hofft die Bühnen-Belegschaft.

Weitere Enthüllungen, dreckige Skandale und fröhlichen Gesang gibt’s bald wieder, nämlich am Donnerstag, den 13. März, um 20 Uhr im Moustache zu Innsbruck, mit Katja Hofmann, unsrer liebsten Frühlingsfee.