Liebe, Laster, Literatur: Das war T.o.R. im Dezember 2014

Ein Weihnachtsspecial? Ja klar, was sonst – dachten sich viele und kamen dann erst recht nicht aus dem Staunen raus, als sie Zeugen des Eggnog-Spektakels mit viel Lametta und Namen Text ohne Reiter wurden.
Die wehrten T.o.Ren zogen sämtliche Register der Orgel zu Oberndorf und überraschten mit einem Xmas-Medley, das dem Grinch seine grüne Hautfarbe vor Neid schneeweiß geworden wär. Stefan Abermann hatte das Bett zu hüten, an seiner Statt durfte Hannes Blamayer ran, der sich, wie wir ja mit hundertprozentiger Sicherheit vorauszusagen uns getrauten, so wacker schlug wie einst der FC Tirol unter Didi Constantini.

T.o.R. im Dezember 2014

Robert Prosser las aus einer Erzählung, die von einem Boxer in Manchester handelt und anhand von Ray Charles und dessen anzuzweifelnder Sehkraft die Liebe erklärt. Hannes Blamayer trug eine Insel-Film-Kritik vor, sowie Tagebucheinträge eines Zombies, von „Uuaaahauauahah“ über „Gestern bin ich ohne Zähneputzen schlafen gegangen“ oder „Das Wetter ist schön, ich freue mich“ bis hin zu philosophischen Betrachtungen, die das marode Hirn plagen: „Ist das ein schöner Tod oder ein schönes Leben?“ Martin Fritz brachte einen Monolog, auf den Elisabeth T. Spira scharf wär, und schraubte sich ausgehend vom Weihnachtsfest tief in zwischenmenschliche Tragödien. Markus Koschuh bot Grüße aus St. Aig und erfreute mit verspielter Wortmalerei, denn ob Steig, noch Steig, ab- oder aufsteig, es geht ums Steig-steigen versus Stiegensteigen.

T.o.R. im Dezember 2014

Die in der zweiten Hälfte dargebrachten Krippenspiele bedingten gelöste Stimmung im Publikum, als ob wir nicht im Moustache, sondern an einem der gefühlten zigtausend Glühweinstände Innsbrucks feuchtfröhlich polonesetanzend gewesen wären: Martin Fritz stellte Andrè Heller, dessen Personal Assistent, David Schalko, Peter Rapp und den Geist der vergangenen, gegenwärtigen und kommenden Weihnacht auf, die eine neue Fernsehshow ausbaldowern und am Ende einem Hasen in der Wiener Kärntnerstraße die Bilder erklären. Markus Koschuh zauberte die Innsbrucker Bogenmeile an einem Samstag Morgen auf die Bühne, die Stammautoren sturzbesoffen das Szenenlokal Bad Girls wie den Stern von Bethlehem im Visier. Und Robert Prosser rappte zu Sex, Apfel, Adam und Eva, mit einem improvisierten Acapella-Backgroundchor aus zwei Eseln (Martin und Hannes) und einem Ochs (Markus), was erstaunlich gut funktionierte und für ordentliches Kopfnicken sorgte.

Die Open Mics ließen gleichfalls nichts anbrennen, erst der bei T.o.R.-affinen Menschen bestens bekannte Hans-Peter, der die Legende von der Stillen Nacht um die kinderbringende Weihnachtseule erweiterte, dann Newbie Sebastian, der Herzen wie Kerzen vor sich schmelzen zu sehen glaubte und dafür von seiner Freundin in echt einen sehr langen Kuss bekam, sodass Publikum wie Autoren einen Moment kollektiv herzergreifender Romantik erleben durften.

T.o.R. im Dezember 2014

So lehrte denn die Dezembershow: Zwischen Literatur und Leben liegt oft nicht mehr, als ein Schritt über die Bühnenkante. Lasst uns dies ein Kalenderspruch sein und Wegweiser im nächsten Jahr.

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