Onomatopoeia und Muddas Marmelade: Das war T.o.R. im November 2014

Ein schneller Rückblick auf die November-Ausgabe unserer Lesebühnen, der Weihnachtswahn hält immerhin auch vor uns nicht inne und nebst Punschumtrunke gilt es, ein Adventspecial für die nächste T.o.R. Auflage zu gestalten, mehr sei noch aber nicht verraten. Damals im November also rückte Stefan Abermann aus auf die Buch Wien, während Martin Fritz in Venedig zum Gondoliere umgeschult wurde. Anderen Teams wie den Guardians of the Galaxy mag derartige Halbierung zusetzen, T.o.R. wusste mehr als ebenbürtigen Ersatz zu finden: Hans-Peter und Käthl schlüpften in die Rollen der in die Ferne gezogenen Stammautoren, bzw. jenen mit unverholener Grazie unter die vom ausschweifenden Lesebühnenleben bereits etwas schlaffe Haut.

Robert Prosser, der sich mit Markus Koschuh die überaus charmante Moderation teilte, eröffnete mit einem sich dem Rap nicht unbedingt verwehrenden Gedichtvortrag, der lyrisch empfindsame Gemüter wie allfällige Kopfnicker erfreute. Hans-Peter bewies, wie männlich es ist, Kakao zu trinken und rhythmische TV-Morgengymnastik zu gucken, und ermöglichte Lyrikfreund_innen mit dem Vortrag eines Kakao-Gedichtes weiteren Genuss. Markus Koschuh kehrte zu den Grinzinger Bäuerinnen zurück und zu den beiden Grundvarianten des Steaks, nämlich vor oder nach der Erfindung des Feuers, was nicht nur ihm ob der beschriebenen Kulinarik das Wasser im Mund gerinnen ließ, und Käthl bot ein fulminantes Lovesong-Medley, ausgelöst von einer unerwiderten Liebesbeteuerung, sowie ausgiebig beklatschte, teils onomatopoetische Gedichte zu Haushaltsgeräten, u.a. einem Staubsauger, der mit dem männlichen Geschlechtsteil eingehend Bekanntschaft macht.

Für ordentlich Eindruck und Nachhall im zweihundert Dezibel-Bereich sorgte Stargästin Alice Reichmann, die ihre Wiener Herkunft derart gekonnt einsetzte, dass selbst den vereinzelt im Publikum befindlichen Schützen die angeborene Skepsis gegenüber Österreichs Osten vom Herzen schmolz wie frühlings der Schnee vom Berg Isel. Alice Reichmann erzählte vom Klupping und wie die Wäscheklammer sich vom simplen Haushaltsutensil zum Trend mausert, indem man eine Wäscheklammer an seinen Schwarm klippt (oder kluppt), die Jugendsprache entert (ich nicht so klupp klupp), und den Clubobmann des Clubs of Kluppen hervorbringt, samt Lokalkolorit: kannst da die Entschuldigungskluppen in Oasch stecken, du Wappla. Alice, bzw. der Workshopleiter der Jugendhilfe, machte sich Gedanken drüber, was man der Mudda zum Muddatag schenkt, und weil Rap bekanntlich immer hilft, war u.a. folgendem zu lauschen: Mama Mama, was mach ma da? Mama Mama braucht an Hawara. Oder: Bist du weg dann ist es schade, wie bei Marmelade.
Die frenetisch eingeforderte Zugabe brachte eine Neuinterpretierung von Frau Holle ein, dieser Hua, heast, die von einem Jugendlichen, der sein Live nicht mehr packt, erstickt wird, was wiederum die Klimaerwärmung bedingt.
Kurzum: Es war ein Abend performativer Grandezza.

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