Blackblocks und Cocktails: Das war T.o.R. im Oktober 2014

Der Alpen liebste Lesebühne zeigte im Oktober, wie sich ein Blackblock avancierter Bühnenliteratur vorstellen ließe, wären Blackblocks nicht schwarz gekleidet und vermummt, sondern lausbübisch kreuzfidel, mit leichtem Hang zum Squaredance. Text ohne Reiter war:

Gegen Zensur bot Stefan Abermann die Unexplicit-Version eines für den Österreichischen Büchereiverbandes verfassten, und von diesem ob der grausamen Banausenbestrafung zensurierten Textes, dessen Moral auch visuell herzzerreissend wirkt.
Gegen Grinzinger Bäuerinnen sang Markus Koschuh die österreichische Bundeshymne als Rise-like-a-phoenix-Mashup, woraufhin das Goldkehlchen einen Text über kulinarischen Genuss darbrachte und wie vornehmlich aus Grinzing stammende, ältere Frauen ihm diesen verwehren wollen: Wir sind alle zu Herd-entieren verkommen.
Gegen Resignation trug Robert Prosser eine Interviewmontage aus dem bosnischen Tuzla vor, in welcher sich Beteiligte der Ausschreitungen von vergangenem Februar den Molotowcocktail in die Hand gaben und für vom Widerstandswillen geprägten Furor sorgten.
Gegen Doppelmoral listete Martin Fritz auf, was eigentlich eh alle machen, u.a. eine Ampel auch mal bei dunkelgelb überqueren, wenn keine Kinder anwesend sind, oder eine Frauenpunkband gründen mit dem Namen „Des Wahnsinns fette Bräute“, und verhalf der Lyrik zu Ehren mit einem Gedicht, welches sich aus von imdb vorgeschlagenen Filmtiteln zusammensetzte, a la: Was Eltern nie erfahren dürfen / aber das Herz muss dabei sein…
Und gegen alle Zweifel erhaben war Michael Stauffer, helvetischer Stargast, der „Das Mückengitter, du auf der anderen Seite, ich auf dieser Seite, dieser Seite“ in sämtlichen Dialekten der Schweiz und ihrer Fremdsprachen darbot, seine Arbeit als „Ich schaffe als Erlkönig beim Kulturamt“ bewarb, die Dialektschleuder mit der orangen Chatz belud und dem begeisternden Publikum SMS-Kürzel um die Ohren fegte, dass diesem vor Staunen weder Hören noch Sehen, aber das Atmen verging, beispielsweise „Ich kann ohne dich nicht mehr Zähne putzen“ (IkodZpö). Dies alles war selbstverständlich bloß die Spitze des Eisberges, welchen Dichterstauffer in den Sprachmixer steckte, um Innsbruck einen Cocktail an derart literarischer Finesse samt Partyschirmchen zu servieren, dass es der Lesebühne mehr als schmeichelt, hierfür den Tresen abgegeben zu haben.

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