Jungbäuerliches Fensterln, pollenballernde Eskapaden: Das war T.o.R im April 2014

Jene Kunst, in welcher sich jahreszeitbedingt der Innsbrucker Hof- wie auch der Münchner Englische Garten so eifrig üben, nämlich pollenballernd, blütensprießend die Wochen der Hochzeiten, Maibäume und Feuerwehrfeste anzukündigen, diese hohe Kunst hormonellen Überschwanges und gepflegter Badassery beherrscht Text ohne Reiter schon lange, wie der April-Ausritt gekonnt zu bestätigen wusste.

Denkt man sich das Moustache als Gewächshaus, stachen folgende floristische Schönheiten leuchtend hervor, bzw. bildeten ein Bouquet, dem Publikum zugeworfen, welches aus Freude ob der Blütenpracht ganz aus dem Häuschen Applaus spendete und Tumult, als wäre das Moustache weniger Gewächshaus als vielmehr Bienenkorb:

Für Menschen auf Rädern war Kärnten ein tödliches Areal, das musste auch schon Jörg Haider erfahren, und apropos Kärnten: der Villacher Fasching war wie Sadomaso, nur in bunten Kostümen, die Einheimischen hatten sich immerhin die Fähigkeit bewahrt, den Umständen zum Trotz zu lachen, und ihr Ausruf “Leilei” glich dem Brunftschrei der Apokalypse. (Stefan Abermann)

Einblicke in die Justizvollzugsanstalt Stein in der Wachau zeigten die Auswirkungen von Frühling und Obstblüte auf den Gefühlshaushalt der Insassen, die gerne das gehabt hätten, wovon ein kleiner Alien für ein Lifestyle- Magazin seines Heimatplaneten unter aktiver Teilnahem und Beobachtung schrieb, nämlich Kontakt zwischen Frau und Mann, um nicht der Fortpflanzung sondern dem Spass zu frönen. (Robert Prosser)

Nach dem Besuch einer Schenke, wenn man nicht mehr wusste, ob man Mensch oder blaues Tier wäre, offenbarte eine Trakl-Neudichtung über Resedenduft, was 13 schwarze Lilien früher zu bedeuten hatten: Man hat noch nicht zurückgerufen, weil der Handy-Akku leer war. Ein Fauxpas, der dem Reporter des Spiegels im Zuge des Interviews mit dem Gewinner des Quiz-Duells nicht unterlief, eines App-Nutzers mit Nom de Guerre SexyBabe 95. (Martin Fritz)

Heinz Strache fiel in Innsbruck vom Rad, im Versuch, sich wegen der ganzen Links-Linken als Grüner zu tarnen, forderte er Freiheit für Neger und Heimatliebe statt Fahrradschiebe, bis Fritz S., der seinen Penis gerne rechts trug, den Schirm in die Speichen des vermeintlich grünen Machos HCS steckte, welcher aufgrund des Sturzes einen Gedächtnisverlust erlitt und glaubte, er wäre Herr Grünbaum, Retter von Wäldern und Suppenspender rumänischer Straßenkinder. (Markus Koschuh)

Dieses Arrangement unsererseits konnte natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass wahrer Dschungelzampano und liebliche Frühlingsprinzessin in einem unser Gast Alex Burkhard war, auf welchen das Publikum reagierte wie Schwerstallergiker auf Pollenflug, allerdings im verkehrten, sprich äußerst positiven Sinne.

Die Münchner Lesebühnenkoryphäe las unter anderem aus „...und was kann man damit später mal machen?“, ein Bus machte einen Bogen, sagte die Dame, sagte die andere Dame und der Frisör fragte: Das Haar wie immer? und brach in schallendes Gelächter aus, die Haarinfanterie flüchtete wie die französische Truppe nach dem Brand von Moskau, der Tag der offenen Tür am Institut für Skandinavistik führte zur Erklärung, ob und wenn ja welches Wikinger-Zeugs man da so treibe, aber nicht nur das, man schaute Breaking Bad und entschloß sich, Cliffhanger in den Alltag einzubauen und als Zugabe folgte die These, dass das Imaginieren der Epiphanie Ekonoklasmus sei…. schier endlos ließen sich die Sprache gewordenen Löwenzahnsamen fortführen, die Alex Burkhard dem Moustache um die Ohren bließ und die Herzen der Zuseher_Innen dabei leichthändig pflückte wie ein Jungbauer Maiglöckchen, wenn er sich unterwegs zum Fensterln entschließt, der Liebsten ein paar Blumen mitzubringen.

Selbstverständlich wurde wieder gesungen, und zwar, als würden wir einem geheimen Drehbuch folgen und am Gesamtkunstwerk basteln, passend zu Frühlingsbeginn und Osterferien Schön ist es auf der Welt zu sein.

Wir bedanken uns bei den Open mics Iris, die mit Alliterationen a la “Föhn facht vor fest verschlossenen Fenstern” Blicke auf sich zog, und Niko-Lina, deren Gedichte Vogelmädchen zum Inhalt hatten, die unter Millionen Menschen unsichtbare Flügel tragen.

Es war großartiger Abend, soviel steht rekapitulierend fest, und bald gibt es die Möglichkeit, dieses Fest der Performanz zu wiederholen oder sogar zu übertreffen, wer weiß:

8. Mai 2014, Text ohne Reiter im Moustache, 20 Uhr, mit Christoph W. Bauer.

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