Floppy Wiener, unzensuriert: Das war T.o.R. im Februar 2014

Klaus Lederwasch

Gänzlich entgegengesetzt der Faschingszeit, die sich in Maskierung gefällt, wusste Text ohne Reiter (der Sprachperformanz gewordene Confettiregen, der übers geneigte Publikum kommt wie das Gold über die sprichwörtliche Marie) mit Enthüllungen zu begeistern:

Die geheimen, während der Winterolympiade in Sotschi entstandenen Tagebücher Andreas Goldbergers belegten dessen Affinität zu klassischer Musik, wie Goldie überhaupt eine zartbesaitete Seele bewies, die, von den mit Wodka getränkten und Ziesel inkludierenden Eskapaden des ORF-Moderators verschreckt, von einer Frage gepeinigt wurde, über die lange nachzudenken sich schickt: “Schmeckt dir unser V-Stil?” Ziesel selbst sprangen Schanzengroßereignisse nach und liebten fingierte Tagebücher sportlicher Berühmtheiten. Die Präzision ihres Denkens mag ihnen bisher oft als Kälte ausgelegt worden sein, endlich aber trat der zärtliche Stil der Reflexion dieser besonderen Tierart zu tage. (Martin Fritz)

Rechercheberichte führten nach Bosnien und wussten von ehemaligen Kriegs-Flüchtlingen zu erzählen, deren Schicksale mit schier poetischen Wendungen und Details aufwarteten. Tanzqualitäten und weiche Knie wurden beim Hakim Bey gewidmeten Happening wider der 2-Paar-Romantik des Valentinstages offensichtlich. Live-Karaoke zu Schmidtchen Schleicher von Niko Haak, die Frauen fürchteten sich und fingen an zu weinen, aber T.o.R. stimmte erneut ein mitreißendes Liedchen an. Diesesmal stand das gesamt Moustache – wir verbeugen uns tief vor dieser kollektivten Lust am befreit-befreienden Singen. (Robert Prosser)

Facebook-Meldungen eignen sich hervorragend, um Anteilnahme zu erheischen, besonders als Teil der Facebook-Gruppe GB – Gute Besserung, Gusch Bua, Gema Budan: die Dramaturgie des Textes ließe sich kaum anders und besser vermitteln. Knochenmarkspenden werden für die kommende NSA-Knochenmarksvorratsdaten fällig, und eine Kontaktanzeige kumulierte in eine schonungslose Selbststudie: Ich jammer nicht, ich hechle. Ich bin sensibel und häuslich. Du solltest bereit sein, endlich mal etwas zu riskieren, nämlich mich: In der Mühl-Kommune hätte man nicht ehrlicher sein können. (Markus Koschuh)

Die heißesten Winterspiele aller Zeiten bedingten eine homosexuell aufgeladene Berichterstattung, in deren Nachwehen sich Lesben im Gemüseregal nahe der Gurken räkelten und schlaffe Penisse einem auf der Straße unvermutet ins Gesicht klatschten. Das Sotschi-Feeling griff um sich: Vladi! Put in! Ein Ruf, der selbst noch spätnachts an der Bar zu vernehmen war, wie auch jener nach einer „Endlösung der Postlerfrage“. In weiser Voraussicht kommender Einsparungen wurde darauf hingewiesen, dass Postler, bei vorsichtiger Handhabe, mitunter als Sexspielzeug zu gebrauchen sind. (Stefan Abermann)

Die größte Enthüllung lieferte aber unser Gast, nämlich sich selbst: Klaus Lederwasch. Leichthändig eroberte der zoologisch freiwildernde, steiermärkische Dichter das Publikum mit Kleinoden wie: „Wenn 1000-Füßler Fußballspielen, dann zittern Krankenkassen“ oder: „Würdest du dein Haus aus Stroh bauen oder aus Ziegel? Sagte der Phyten: Phython.“ Ganz aus dem Häuschen war die begeisterte Meute bei der Geschichte von Crabby, die demnächst in ausgewählten Lichtspieltheatern als neues, heißes Eisen von Walt Disney zu sehen sein wird, um dem Transformer- und Hobbit-Trilogien-Wahnsinn einen Film der alten Schule entgegenzusetzen. Kein animierter Schnickschnack, aber viel, viel Gefühl: Crabby zählte die Sterne, während sich eine hungrige Möwe in Zeitlupe Crabbys Dad schnappte. Wohin die Odyssee den kleinen Krabbenmann führte, sei an dieser Stelle nicht verraten; Lederwasch selbst ist auf jeden Fall ein Garant für großes Kino, zum Abschluß dieses denkwürdigen Abends holte er sogar die Gitarre raus; wir klapperten mit unseren Scherenhänden und unsre Thunfischherzen pochten wild.

Dankenswerterweise gab es zwei Open-Mics zu begrüßen, nämlich Matze, der Werther liest anstelle von 50 Shades of Gray und vor lauter lesen keine Zeit zum Duschen hat, aber eine Bücherbong besitzt, sowie Miriam, deren Text über Schneefall und physisch werdenden Beziehungsstress aufmerksames Gehör fand – beide mögen wiederkommen, hofft die Bühnen-Belegschaft.

Weitere Enthüllungen, dreckige Skandale und fröhlichen Gesang gibt’s bald wieder, nämlich am Donnerstag, den 13. März, um 20 Uhr im Moustache zu Innsbruck, mit Katja Hofmann, unsrer liebsten Frühlingsfee.

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