Arkadische Bombengeschwader: Das war T.o.R im April 2013

Trunken von Pollenflug und Bestäubung zelebrierte Text ohne Reiter einen vorzeitigen Maitanz, wie listige Nymphen, aus Mittsommernachtsträumen geschlüpft, verteilte die Lesebühne verbale Blumenkränze und goß ein Füllhorn textlichen Frühlingserwachen übers dichtgedrängte Publikum aus, woraufhin das Moustache dem aufgeregten Inneren eines Bienenkorbes in nichts nachstand. Durch den Abend führten Stefan Abermann und Martin Fritz, die beiden Meister der hohen Kunst des modischen Color-Blockings, wie gewohnt charmant. Markus Koschuh war verhindert, nahm er doch im Team mit Andy Borg an einem Seifenkisten-Charity-Wettbewerb im Stanglwirt zu Kitzbühel teil. Prominenz, wem Prominenz gebührt, sagen wir da nur, als Ersatz trug Robert Prosser immerhin eine neue, schwarze Hose.

Das Publikum bezaubernd, mit lyrischem Funkeln bestäubend gleich einem Kolibri, der mit Ronja Räubertochters Kriegsgeheul wie ein Bombengeschwader aus Arkadien über Tirol kam, war des Abends bemerkenswerteste Blüte ohne Zweifel Theresa Hahl: Sie beschwörte Abenteuergeister, Geheimzeichenzeichner, brachte Herzmären vor, spazierte zwischen Wolkenästen und wagte Kamikazesprünge ins Kardioquadrat. Theresa Hahl stampfte und schnippte, um in spröden Gelenken die Zeit zu verrenken, verpasste dem Publikum Spliss in den Adern, herzhaft zu zerfasern stand auf dem Programm. Verlorengehen ist auch eine Art der Bewegung und an den Schnittstellen der Wahrheit faltete unser Stargast lyrische Origami; ausgefallen, schön und lebendig.

In Tagclouds, die gleich psychedelischen Nordlichtern, die der Klimawandel nach Innsbruck zu bringen gedenkt, durchs Moustache zogen, lassen sich die weiteren Inhalte wie folgt umreissen:

Heimwerker: Solche legten sowohl die Wohnung von Stefan Abermann als auch von Martin Fritz zu Schutt und Chaos, aus zweierlei Blickwinkel ein Aufprall kunstsinniger Akademikern mit raubeinigen, dialektal ausgiebig fluchenden Heimwerkern als Kampf mit Fugenmassen und Sicherungen und über allem schwebt bedrohlich die 8er, 10er, 12er oder 14er Krechel.

Träume: In Robert Prossers unerwartet witzigen Tiertexten träumten Pessoalesende Anglerfische davon, zu den Sternen auszuwandern und forderte ein fieser Koboldmaki („deine Mutter fickt für Ziegel, um deiner Schwester ein Hurenhaus zu bauen“) von der Evolution postalisch die Liebe der Seepferdchen. Martin Fritz trug Aufzeichnungen persönlicher Träume vor, die, nachdem das Betthupferl aus einem Girls-Serienmarathon bestanden hatte, z.B. Notoperationen unter der Anleitung von Youtube-Videos zum Inhalt hatten.

Musik: Stefan Abermanns Erfahrungen beim Babyschwimmen mündeten in der Angst, das Kind könne von der väterlichen Fahne eine Alkoholvergiftung bekommen, und als die Getränkekarte des Vorabends aus dem Inneren des verkaterten Vaters strömte, gebärdeten Babies sich wie Rockstars. Martin Fritz las Charts in erweiterter Form vor, nämlich Top Ten Listen, u.a zu Modefehlern und den peinlichsten Unternehmungen, einen davongelaufenen, geliebten Menschen rückzugewinnen, und von Robert Prosser kam eine frühlingshaft mitreißende Sprachrhapsodie als Monolog eines Straßenmusikers, welcher um Jazz, Swing und das Dritte Reich kreiste.

Großartig war es, keine Frage, auch dank zweier Open Mics, wir bedanken uns bei Christoph, der als Musterbeispiel proaktiven Unterrichts von der Lehrerin angemeldet worden war und mit Augenzwinkern Herzschmerzen auf menschliches Triebwerken runterbrach, und Barbara, die kommunikative Grenzen auslotete und anhand der Geschichte von Elvira die Machtverhältnisse zwischen Mutter und Tochter greifbar machte.

So macht es denn alle wie Seepferdchen, trefft euch zur Paarung unterm Mondenschein und singt währenddessen, vergesst nicht, den schwangeren Partner trotz vollgestopftem Eiersack jeden Morgen zu umarmen und kommt hurtig am 09. Mai zur nächsten Show.

Fast Facts for Fast Swimmers: Next T.o.R. am Donnerstag, 09. Mai 2013, um 20 Uhr im Moustache, mit Michael Jakob (Nürnberg).

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