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Das war der T.o.R. Auflesungsabend 11. Juni 2015

T.o.R. Auflesungsabend Do 11. Juni 2015

Das war’s, der Auflesungsabend ist Geschichte. Fotos davon gibt es hier und wir mussten nicht einmal mehr selbst einen Nachbericht schreiben, denn es gibt einen Nachbericht auf Provinnsbruck. Bleibt uns also nur noch, Euch einen schönen, erholsamen und ereignisreichen Sommer zu wünschen und dezent darauf hinzuweisen, dass es von uns noch ein Open Air Spezial gibt mit den Gästen Marc Carnal und Max Horejs am 31. Juli 2015 im Rathaus Innenhof, Oberer Stadtplatz 1-2 in Hall in Tirol (bei Schlechtwetter im Kulturlabor Stromboli).

Und weitere Infos über weitere verhaberte Veranstaltungen, Aktivitäten und weiteren Verderb und Gedeih der Lesebühne wie ihrer Mitglieder bekommt ihr natürlich weiterhin auf diesen magischen Kanälen.

Liebe, Laster, Literatur: Das war T.o.R. im Dezember 2014

Ein Weihnachtsspecial? Ja klar, was sonst – dachten sich viele und kamen dann erst recht nicht aus dem Staunen raus, als sie Zeugen des Eggnog-Spektakels mit viel Lametta und Namen Text ohne Reiter wurden.
Die wehrten T.o.Ren zogen sämtliche Register der Orgel zu Oberndorf und überraschten mit einem Xmas-Medley, das dem Grinch seine grüne Hautfarbe vor Neid schneeweiß geworden wär. Stefan Abermann hatte das Bett zu hüten, an seiner Statt durfte Hannes Blamayer ran, der sich, wie wir ja mit hundertprozentiger Sicherheit vorauszusagen uns getrauten, so wacker schlug wie einst der FC Tirol unter Didi Constantini.

T.o.R. im Dezember 2014

Robert Prosser las aus einer Erzählung, die von einem Boxer in Manchester handelt und anhand von Ray Charles und dessen anzuzweifelnder Sehkraft die Liebe erklärt. Hannes Blamayer trug eine Insel-Film-Kritik vor, sowie Tagebucheinträge eines Zombies, von „Uuaaahauauahah“ über „Gestern bin ich ohne Zähneputzen schlafen gegangen“ oder „Das Wetter ist schön, ich freue mich“ bis hin zu philosophischen Betrachtungen, die das marode Hirn plagen: „Ist das ein schöner Tod oder ein schönes Leben?“ Martin Fritz brachte einen Monolog, auf den Elisabeth T. Spira scharf wär, und schraubte sich ausgehend vom Weihnachtsfest tief in zwischenmenschliche Tragödien. Markus Koschuh bot Grüße aus St. Aig und erfreute mit verspielter Wortmalerei, denn ob Steig, noch Steig, ab- oder aufsteig, es geht ums Steig-steigen versus Stiegensteigen.

T.o.R. im Dezember 2014

Die in der zweiten Hälfte dargebrachten Krippenspiele bedingten gelöste Stimmung im Publikum, als ob wir nicht im Moustache, sondern an einem der gefühlten zigtausend Glühweinstände Innsbrucks feuchtfröhlich polonesetanzend gewesen wären: Martin Fritz stellte Andrè Heller, dessen Personal Assistent, David Schalko, Peter Rapp und den Geist der vergangenen, gegenwärtigen und kommenden Weihnacht auf, die eine neue Fernsehshow ausbaldowern und am Ende einem Hasen in der Wiener Kärntnerstraße die Bilder erklären. Markus Koschuh zauberte die Innsbrucker Bogenmeile an einem Samstag Morgen auf die Bühne, die Stammautoren sturzbesoffen das Szenenlokal Bad Girls wie den Stern von Bethlehem im Visier. Und Robert Prosser rappte zu Sex, Apfel, Adam und Eva, mit einem improvisierten Acapella-Backgroundchor aus zwei Eseln (Martin und Hannes) und einem Ochs (Markus), was erstaunlich gut funktionierte und für ordentliches Kopfnicken sorgte.

Die Open Mics ließen gleichfalls nichts anbrennen, erst der bei T.o.R.-affinen Menschen bestens bekannte Hans-Peter, der die Legende von der Stillen Nacht um die kinderbringende Weihnachtseule erweiterte, dann Newbie Sebastian, der Herzen wie Kerzen vor sich schmelzen zu sehen glaubte und dafür von seiner Freundin in echt einen sehr langen Kuss bekam, sodass Publikum wie Autoren einen Moment kollektiv herzergreifender Romantik erleben durften.

T.o.R. im Dezember 2014

So lehrte denn die Dezembershow: Zwischen Literatur und Leben liegt oft nicht mehr, als ein Schritt über die Bühnenkante. Lasst uns dies ein Kalenderspruch sein und Wegweiser im nächsten Jahr.

Onomatopoeia und Muddas Marmelade: Das war T.o.R. im November 2014

Ein schneller Rückblick auf die November-Ausgabe unserer Lesebühnen, der Weihnachtswahn hält immerhin auch vor uns nicht inne und nebst Punschumtrunke gilt es, ein Adventspecial für die nächste T.o.R. Auflage zu gestalten, mehr sei noch aber nicht verraten. Damals im November also rückte Stefan Abermann aus auf die Buch Wien, während Martin Fritz in Venedig zum Gondoliere umgeschult wurde. Anderen Teams wie den Guardians of the Galaxy mag derartige Halbierung zusetzen, T.o.R. wusste mehr als ebenbürtigen Ersatz zu finden: Hans-Peter und Käthl schlüpften in die Rollen der in die Ferne gezogenen Stammautoren, bzw. jenen mit unverholener Grazie unter die vom ausschweifenden Lesebühnenleben bereits etwas schlaffe Haut.

Robert Prosser, der sich mit Markus Koschuh die überaus charmante Moderation teilte, eröffnete mit einem sich dem Rap nicht unbedingt verwehrenden Gedichtvortrag, der lyrisch empfindsame Gemüter wie allfällige Kopfnicker erfreute. Hans-Peter bewies, wie männlich es ist, Kakao zu trinken und rhythmische TV-Morgengymnastik zu gucken, und ermöglichte Lyrikfreund_innen mit dem Vortrag eines Kakao-Gedichtes weiteren Genuss. Markus Koschuh kehrte zu den Grinzinger Bäuerinnen zurück und zu den beiden Grundvarianten des Steaks, nämlich vor oder nach der Erfindung des Feuers, was nicht nur ihm ob der beschriebenen Kulinarik das Wasser im Mund gerinnen ließ, und Käthl bot ein fulminantes Lovesong-Medley, ausgelöst von einer unerwiderten Liebesbeteuerung, sowie ausgiebig beklatschte, teils onomatopoetische Gedichte zu Haushaltsgeräten, u.a. einem Staubsauger, der mit dem männlichen Geschlechtsteil eingehend Bekanntschaft macht.

Für ordentlich Eindruck und Nachhall im zweihundert Dezibel-Bereich sorgte Stargästin Alice Reichmann, die ihre Wiener Herkunft derart gekonnt einsetzte, dass selbst den vereinzelt im Publikum befindlichen Schützen die angeborene Skepsis gegenüber Österreichs Osten vom Herzen schmolz wie frühlings der Schnee vom Berg Isel. Alice Reichmann erzählte vom Klupping und wie die Wäscheklammer sich vom simplen Haushaltsutensil zum Trend mausert, indem man eine Wäscheklammer an seinen Schwarm klippt (oder kluppt), die Jugendsprache entert (ich nicht so klupp klupp), und den Clubobmann des Clubs of Kluppen hervorbringt, samt Lokalkolorit: kannst da die Entschuldigungskluppen in Oasch stecken, du Wappla. Alice, bzw. der Workshopleiter der Jugendhilfe, machte sich Gedanken drüber, was man der Mudda zum Muddatag schenkt, und weil Rap bekanntlich immer hilft, war u.a. folgendem zu lauschen: Mama Mama, was mach ma da? Mama Mama braucht an Hawara. Oder: Bist du weg dann ist es schade, wie bei Marmelade.
Die frenetisch eingeforderte Zugabe brachte eine Neuinterpretierung von Frau Holle ein, dieser Hua, heast, die von einem Jugendlichen, der sein Live nicht mehr packt, erstickt wird, was wiederum die Klimaerwärmung bedingt.
Kurzum: Es war ein Abend performativer Grandezza.

Blackblocks und Cocktails: Das war T.o.R. im Oktober 2014

Der Alpen liebste Lesebühne zeigte im Oktober, wie sich ein Blackblock avancierter Bühnenliteratur vorstellen ließe, wären Blackblocks nicht schwarz gekleidet und vermummt, sondern lausbübisch kreuzfidel, mit leichtem Hang zum Squaredance. Text ohne Reiter war:

Gegen Zensur bot Stefan Abermann die Unexplicit-Version eines für den Österreichischen Büchereiverbandes verfassten, und von diesem ob der grausamen Banausenbestrafung zensurierten Textes, dessen Moral auch visuell herzzerreissend wirkt.
Gegen Grinzinger Bäuerinnen sang Markus Koschuh die österreichische Bundeshymne als Rise-like-a-phoenix-Mashup, woraufhin das Goldkehlchen einen Text über kulinarischen Genuss darbrachte und wie vornehmlich aus Grinzing stammende, ältere Frauen ihm diesen verwehren wollen: Wir sind alle zu Herd-entieren verkommen.
Gegen Resignation trug Robert Prosser eine Interviewmontage aus dem bosnischen Tuzla vor, in welcher sich Beteiligte der Ausschreitungen von vergangenem Februar den Molotowcocktail in die Hand gaben und für vom Widerstandswillen geprägten Furor sorgten.
Gegen Doppelmoral listete Martin Fritz auf, was eigentlich eh alle machen, u.a. eine Ampel auch mal bei dunkelgelb überqueren, wenn keine Kinder anwesend sind, oder eine Frauenpunkband gründen mit dem Namen „Des Wahnsinns fette Bräute“, und verhalf der Lyrik zu Ehren mit einem Gedicht, welches sich aus von imdb vorgeschlagenen Filmtiteln zusammensetzte, a la: Was Eltern nie erfahren dürfen / aber das Herz muss dabei sein…
Und gegen alle Zweifel erhaben war Michael Stauffer, helvetischer Stargast, der „Das Mückengitter, du auf der anderen Seite, ich auf dieser Seite, dieser Seite“ in sämtlichen Dialekten der Schweiz und ihrer Fremdsprachen darbot, seine Arbeit als „Ich schaffe als Erlkönig beim Kulturamt“ bewarb, die Dialektschleuder mit der orangen Chatz belud und dem begeisternden Publikum SMS-Kürzel um die Ohren fegte, dass diesem vor Staunen weder Hören noch Sehen, aber das Atmen verging, beispielsweise „Ich kann ohne dich nicht mehr Zähne putzen“ (IkodZpö). Dies alles war selbstverständlich bloß die Spitze des Eisberges, welchen Dichterstauffer in den Sprachmixer steckte, um Innsbruck einen Cocktail an derart literarischer Finesse samt Partyschirmchen zu servieren, dass es der Lesebühne mehr als schmeichelt, hierfür den Tresen abgegeben zu haben.

Wrestling im Confettiwirbel: Das war T.o.R. am 8. Mai 2014

Stefan Abermann, unser Obmann und Maskottchen in Personalunion, weilte zwar als Lesebühnen-Botschafter-der-Herzen beim Songcontest in Kopenhagen, aber auch die solcherart reduzierte T.o.R.-Belegschaft ließ nichts anbrennen, sondern servierte, wäre die Lesebühne Kellner und Essgericht in einem, dem Publikum Almhüttenkost samt Masalatornado. Irgendwie war ein Funkeln und Flimmern in der Atmosphäre des Moustache’s auszumachen, als hätte man Conchitas Triumph bereits vorausahnen können, munkelte man später zwischen Höttinger Hallenbad und DEZ, imaginäres Confetti, welches vor allem unserem Gast Christoph W. Bauer zu verdanken war, der aus seinem höchst zu empfehlenden, aktuellen Band In einer Bar unter dem Meer las und das Publikum, in der gekonnten Manier eines mit allen Wassers gewaschenen Erzählers, in konzentriertes Lauschen wog, wie in einer Taucherglocke absinkend zu den unergründlichen Tiefen dieser vielschichtigen Geschichten.

Eigentlich sind wir ja ein Ableger der WWF, also nicht des Clubs mit dem Panda im Logo, sondern jenes der sich in Ringen wrestelnden Menschen, abgekämpfte, heimlich weise Entertainer wie The Ultimate Warrior, Sunnyboys wie Owen Hart anno dazumal, und in dieser aberwitzigen Show aus Archaik und Clownerie glänzten ferner die Berichte einer Schul-Schreibwerkstatt zum Thema „Im Bett mit Stefan Abermann“, geleitet von Martin Fritz, der in der Langeweile die Philosophie entdeckt und den Frühling mit ganz, ganz vielen Vogelen (by Markus „The Nuclear Nighthawk„ Koschuh), bosnischen Deserteursgeschichten samt Auszug einer Erzählung über Hitlers Vorkosterinnen auf der Wolfsschanze, ein Knicks vor Stauffenbergs sich bald jährenden Attentatsversuch (by Robert „The Swinging Shaman“ Prosser), sowie TopTen-Listen, u.a. der Radieschenprinzessinnen von Hall i. T., und ein Theaterstückauszug, der mit Defiktionalisierungsamt und der Abwesenheit des perfekten Scheins hinter den Kulissen aufwartete (by Martin „The hotblooded Hustler“ Fritz).

Es war ein Abend aus Jubel, Trubel, Promiskuität, wir bedanken uns bei den beiden Open mics Philmarie, der das Wetten Dass-Ende mit der Lektüre von de Sade, eines französischen Pornoautors, kurzschloss und anhand des Scheidensekrets ihm unbekannte Frauen erraten wollte, sowie Hans-Peter, der mitreißend Tatsachen nannte, die ihn aufregen, das Sterben der Bienen etwa oder der Umstand, das Disney den 7. Teil von Star Wars produziert.

Es war großartig, aber dies zu toppen wird unsere ernstgemeintes Vorhaben sein, ein letztes Mal vor der Sommerpause am Donnerstag, den 12. Juni 2014 um 20 Uhr im Moustache, mit Rene Sydow.

Jungbäuerliches Fensterln, pollenballernde Eskapaden: Das war T.o.R im April 2014

Jene Kunst, in welcher sich jahreszeitbedingt der Innsbrucker Hof- wie auch der Münchner Englische Garten so eifrig üben, nämlich pollenballernd, blütensprießend die Wochen der Hochzeiten, Maibäume und Feuerwehrfeste anzukündigen, diese hohe Kunst hormonellen Überschwanges und gepflegter Badassery beherrscht Text ohne Reiter schon lange, wie der April-Ausritt gekonnt zu bestätigen wusste.

Denkt man sich das Moustache als Gewächshaus, stachen folgende floristische Schönheiten leuchtend hervor, bzw. bildeten ein Bouquet, dem Publikum zugeworfen, welches aus Freude ob der Blütenpracht ganz aus dem Häuschen Applaus spendete und Tumult, als wäre das Moustache weniger Gewächshaus als vielmehr Bienenkorb:

Für Menschen auf Rädern war Kärnten ein tödliches Areal, das musste auch schon Jörg Haider erfahren, und apropos Kärnten: der Villacher Fasching war wie Sadomaso, nur in bunten Kostümen, die Einheimischen hatten sich immerhin die Fähigkeit bewahrt, den Umständen zum Trotz zu lachen, und ihr Ausruf “Leilei” glich dem Brunftschrei der Apokalypse. (Stefan Abermann)

Einblicke in die Justizvollzugsanstalt Stein in der Wachau zeigten die Auswirkungen von Frühling und Obstblüte auf den Gefühlshaushalt der Insassen, die gerne das gehabt hätten, wovon ein kleiner Alien für ein Lifestyle- Magazin seines Heimatplaneten unter aktiver Teilnahem und Beobachtung schrieb, nämlich Kontakt zwischen Frau und Mann, um nicht der Fortpflanzung sondern dem Spass zu frönen. (Robert Prosser)

Nach dem Besuch einer Schenke, wenn man nicht mehr wusste, ob man Mensch oder blaues Tier wäre, offenbarte eine Trakl-Neudichtung über Resedenduft, was 13 schwarze Lilien früher zu bedeuten hatten: Man hat noch nicht zurückgerufen, weil der Handy-Akku leer war. Ein Fauxpas, der dem Reporter des Spiegels im Zuge des Interviews mit dem Gewinner des Quiz-Duells nicht unterlief, eines App-Nutzers mit Nom de Guerre SexyBabe 95. (Martin Fritz)

Heinz Strache fiel in Innsbruck vom Rad, im Versuch, sich wegen der ganzen Links-Linken als Grüner zu tarnen, forderte er Freiheit für Neger und Heimatliebe statt Fahrradschiebe, bis Fritz S., der seinen Penis gerne rechts trug, den Schirm in die Speichen des vermeintlich grünen Machos HCS steckte, welcher aufgrund des Sturzes einen Gedächtnisverlust erlitt und glaubte, er wäre Herr Grünbaum, Retter von Wäldern und Suppenspender rumänischer Straßenkinder. (Markus Koschuh)

Dieses Arrangement unsererseits konnte natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass wahrer Dschungelzampano und liebliche Frühlingsprinzessin in einem unser Gast Alex Burkhard war, auf welchen das Publikum reagierte wie Schwerstallergiker auf Pollenflug, allerdings im verkehrten, sprich äußerst positiven Sinne.

Die Münchner Lesebühnenkoryphäe las unter anderem aus „...und was kann man damit später mal machen?“, ein Bus machte einen Bogen, sagte die Dame, sagte die andere Dame und der Frisör fragte: Das Haar wie immer? und brach in schallendes Gelächter aus, die Haarinfanterie flüchtete wie die französische Truppe nach dem Brand von Moskau, der Tag der offenen Tür am Institut für Skandinavistik führte zur Erklärung, ob und wenn ja welches Wikinger-Zeugs man da so treibe, aber nicht nur das, man schaute Breaking Bad und entschloß sich, Cliffhanger in den Alltag einzubauen und als Zugabe folgte die These, dass das Imaginieren der Epiphanie Ekonoklasmus sei…. schier endlos ließen sich die Sprache gewordenen Löwenzahnsamen fortführen, die Alex Burkhard dem Moustache um die Ohren bließ und die Herzen der Zuseher_Innen dabei leichthändig pflückte wie ein Jungbauer Maiglöckchen, wenn er sich unterwegs zum Fensterln entschließt, der Liebsten ein paar Blumen mitzubringen.

Selbstverständlich wurde wieder gesungen, und zwar, als würden wir einem geheimen Drehbuch folgen und am Gesamtkunstwerk basteln, passend zu Frühlingsbeginn und Osterferien Schön ist es auf der Welt zu sein.

Wir bedanken uns bei den Open mics Iris, die mit Alliterationen a la “Föhn facht vor fest verschlossenen Fenstern” Blicke auf sich zog, und Niko-Lina, deren Gedichte Vogelmädchen zum Inhalt hatten, die unter Millionen Menschen unsichtbare Flügel tragen.

Es war großartiger Abend, soviel steht rekapitulierend fest, und bald gibt es die Möglichkeit, dieses Fest der Performanz zu wiederholen oder sogar zu übertreffen, wer weiß:

8. Mai 2014, Text ohne Reiter im Moustache, 20 Uhr, mit Christoph W. Bauer.

Palindromatische Hasselhoffoden: Das war T.o.R. im Jänner 2014

die karin

Die Liebe ist Sieger; stets rege ist sie bei Leid – so ließe sich die vergangene Show in einem Leitsatz einfangen, da es dem jüngsten Höhepunkt unseres Bühnenlebens weder vor großem Gefühl noch vor kluger Gesellschaftskritik die Sprache verschlug. Der Start ins Jahr 2014 war Performanz gewordener Furor und einer jener glücklichen Momente, die ein Künstlerdasein so kostbar machen, begeisterte dieser Abend Mitte Januar doch Publikum und Vortragende gleichermaßen. Zwar weiß Text ohne Reiter zu jeder Tages- wie Jahreszeit zu überzeugen und nimmt in dieser Eigenart die Charaktereigenschaften eines Palindroms an, welches sich weniger an ein bestimmtes Zeichensystem hält und von vorn nach hinten sowie retour lesbar wäre, als es vielmehr durch Raum und Zeit reicht und da wie dort immer gut ist, der Jänner-Ausritt aber wird uns nachdrücklich im Gedächtnis bleiben.

Diese Unvergesslichkeit ist insbesondere unserer Gästin zuzuschreiben: die Karin (bzw. grammatikalisch richtig, als Künstlernamen jedoch nur mäßig geeignet: der Karin), die für den heimischen Slam das ist, was die Voest für Linz symbolisiert: ein Kraftfeld surrender Grazie und dampfender Wut. Sie, also Karin, bot ein Feuerwerk an Idee und Themenvielfalt, sodass man regelrecht zu spüren glaubte, wie das vergangene Silvester im Nachhinein neidisch erblasste. Erstmals in unserer nicht nicht langen Geschichte wurde ein Text vorgetragen, der auf den Namen der Lokalität Bezug nahm, in „Ich oder mein Schnurrbart oder: Moustache“ sinnerte die Karin über ein Wort, das man sich auf der Oberlippe zergehen lassen kann und dessen Besitz einer Frau echte, wahre Emanzipation ermöglichen würde. Vom Pornobalken ging es weiter zum Anthropologie-Studium und den damit verbundenen mangelhaften Anerkennung vonseiten der Mitmenschen. Darin enthalten war (zumindest aus der Sicht des Nachberichtschreibers, der selbst ein Studium der Kultur- und Sozialanthroplogie mit Genuß absolviert hat) der Witz des Abends, den nachzuerzählen wenig Sinn macht, weil die nötigen Hinweise auf Margaret Mead u.ä. den Rahmen dieser kurzen Zusammenfassung sprengen würden, es ging auf jeden Fall um die in Hinblick auf die verwandtschaftlich Lineage korrekte Antwort auf einen Verbalangriff a la Deine Mutter.
Weiters wurde radgefahren, mit der leisen Hoffnung, wie im Film “Mädchen, Mädchen” durch Orgasmen belohnt zu werden, und sich mit der Touristen-Plage rumgeschlagen, deren erfolgreiche Abwehr in einer Aussage kulminierte, die auf Tshirts zu drucken sich anbietet: Wir sprechen Deutsch, Österreichisch und Dialekt, Oida! Und wenn es jemand nicht versteht, dann reden wir halt langsam.
Das Publikum war hin und weg und wir erst recht, tief verbeugten wir uns vor der Karin (die Karin), und stolperten im Versuch, mit Prinzessinenknicksen und Kratzfüßchen unserer Bewunderung Ausdruck zu verleihen, tolpatschig durch die Gegend.

t.o.r.-chor

Damit nicht genug wusste die Jänner-Auflage unseres Spektakels mit Themen aufzuwarten, die sich in zwei Schwerpunkte zu bündeln bequemen:

Leibliche Ausschweifung: Stefan Abermann las von einem Körper von Gewicht, der Hosen schrumpfen und neue Muskeln wachsen lässt und sich, ähnlich dem Universum, immer weiter ausbreitet, bis der einzige Gesprächsraum, der bleibt, nur mehr eine Frage erlaubt: isst du das noch?
Passenderweise wusste Markus Koschuh ein Rezept aus Mein Mampf einzustreuen, nämlich Hühnchen braun. Martin Fritz trug eine Fake Amazon-Review zum Erotischen Landmaschinenkalender 2014 vor, welcher vom Rezensenten ob des eklatant ausgestellten Sex-Appeals nur einen Stern verliehen bekam.
Robert Prosser brachte ein Märchen von einem Frosch, der reihenweise Frauen unglücklich macht. Eingeleitet wurde diese gleichsam als Fake-Amazon-Review getarnte Neudeutung märchenhaften Materiales mit Live-Karaoke zu Du von David Hasselhoff. Ganz großes Kino. Man kann es nicht oft genug betonen: nichts macht so glücklich, als wie laut und ohne Rücksicht auf gesellschaftlichen Status zu singen. Und ja, wenn Hasselhoff seine Pisse trinkt, riecht sein Spargel komisch.

Linguistische Extravaganza: Stefan Abermann entlockte dem Google Translator Phrasen, die zwischen grenzgenial und Bundy changierten: Vielleicht bin ich in meinem Kopf. Dieser Mann ist nicht ihre Macker. Du bist ein gutes Mädchen. Markus „sind wir mal froh, dass der Nachberichtschreiber die Notizen vom Dezember verloren hat und nicht den leisesten Verdacht hegt, dass da jemand einen bereits im Monat zuvor dargebrachten Text vortrug“ Koschuh blickte in die Zukunft, in welcher Prosser den Abermann Hund erschossen hat und gab von sich preis, ein zutiefst kindliches Kind gewesen zu sein, das gerne Nudelbrot aß (oder war es doch Nutellabrot?) Martin Fritz bot ein Worst-of-Vier-Schanzen-Tournee, indem er Originalzitate von Morgenstern Amann Diethart gekonnt montierte. Und Robert Prosser las einen textlichen Bastard, der alles beinhaltete, was mit synthetischen Drogen, Graffiti und Only Lovers Left Alive zu tun hat.

Dankenswerterweise wurde das Open Mic in beiden Hälften genützt, einmal von Franz Xaver Franz, der einen Text über Silvester stoned as hell vorbrachte, und ein anders Mal von Philmarie, der über die grassierende Wassermelonenwirtschaft gewichtiges zu sagen wusste.

die übliche verbeugung

Es bleibt somit nur darauf hinzuweisen, dass bald Fasching ist und es keine bessere Gelegenheit gibt, sich darauf einzustimmen, als am 13. Februar 2014 um 20 Uhr ins Moustache zu wuseln, zum nächsten, karnevalesken Text ohne Reiter Reigen mit Klaus Lederwasch.

In diesem Sinne:
Too far, Edna, we wander afoot.

Rock ‘n Roll! Das war T.o.R. im Dezember 2013

yasmo

Was sonst eigne sich besser zum Jahresbeginn, als reinen Tisch zu machen und verschämt ein Geständnis abzuliefern: wie bereits in Vergangenheit passiert, hat der ansonsten tadellos werkende Nachberichtsschreiber unserer Lesebühne, die aufgrund ihres aus Ennui gespeisten Stilbewusstseins Jim Jarmusch das Giftgrün blanken Neides in die Augen zu zaubern vermag, seine Notizen irgendwo in Innsbruck verloren oder in Wien verkauft, oder, wahrscheinlicher, im dazwischen liegenden Tiroler Unterland verbrannt, in einer Gegend also, welche ob der Krautinger-induzierten und als Brauchtumspflege getarnten, feiertäglichen Ausschweifungen (die, wie fleissige Komparatisten längst wissen, nicht wenig leisteten, um J.R.R. Tolkien die Inspiration zu Mordor zu verschaffen) per definitionem dazu geeignet ist, schüchterne Dichter, Manuskripte wie Nachberichtsnotate unterm Arm geklemmt, in einen alpinen Bewusstseinslooping a la Evel-Knievel-Acidaction zu stürzen, der Hunter S. Thompson zur Ehr gereichen würde und gebrochene Herzen, zerborstene Fenster, sowie mehrere aufgebrachte Schützenverbände inkludierte, was weniger in Euro, als vielmehr mit Erinnerungsvermögen bezahlt wurde. Aus dem stroboskoppulsenden Wahnsinn, in welchen die Lesebühne-Afterparty, die Vorweihnachtszeit, Weihnachtsfeiertage sowie Vorsilvester und Silvester höchtspersönlich versanken, lassen sich nur wenige Tatsachen retten: Am 12. Dezember im Moustache trug Robert Prosser ein Gedicht zu Adam und Eva vor, brachte Martin Fritz die Ausschreibung für die Super-Lesebühnen-Praktikantin zu Gehör, las Stefan Abermann einen mit Songtiteln gespickten Text und ja, Markus Koschuh war auch da. Einige Fakten allerdings stehen frag- und zweifellos fest: Yasmo, Yasmin Hafedh und Miss Lead sorgten a) für einen großartigen Abend, welcher b) vor einer enthusiastischen, unzählbaren und das Moustache bis auf den letzten Zentimeter besetzenden Menge bejubelt und befeiert wurde, die wiederum c) nur ein Wort mehr aus dem Munde der Trinität des Spoken-Words gebraucht hätte, um vollends in einer Orgie der Sinnesräusche zu schlittern, so wie d) Uschi Obermayr beim Anblick von Keith Richards. 2014 kann nicht besser oder ausschweifender werden. Allerhöchstens gesünder.

yasmo

Easy gespotted: Das war T.o.R im November 2013

Pünktlich wie Amazon-Dronen sind die Nachberichte von Text ohne Reiter, jener Lesebühne, die für die vier Stammautoren das ist, was für Kanye West ein Motorrad darstellt. Bound hoch 3, sozusagen.

clara felis und markus koschuh

Fritz und Koschuh moderierten die Novemberauflage wie zwei stolze Martini-Gänseriche, schnatternd und aufgeregt flügelschlagend, dabei nicht einer gewissen Eleganz entbehrend. Doch nicht nur die beiden verstummten ehrfürchtig, als der Lesebühne Gästin Clara Felis zu Izzi Bizzi Teeny Weeny (Markus Koschuh bewies einmal mehr außerordentliche Fähigkeiten als DJ) ans Mic steppte.

Fräulein Felis ist am hiesigen SpokenWord- und Slamhimmel das, was ein als Glühwein getarnter Long Island Icetea an Innsbrucker Christkindlmärkten ist, nämlich ein Turbolader ihres Metiers. Trotzdem easy wickelte sie die Publikumsheerscharen um den Finger: „Sag mal stopp zu den Grünampeln, die nicht rot werden und deshalb keine Verschnaufspausen gönnen, lehn dich zurück und mach mal halblang“, führte die gebannt Gefesselten im Windschatten einer Radbotin durch Straßen: „die Stadtansicht ist Stadt an sich“, und versäumte nicht, per frenetisch geforderter Zugabe auf die nervtötenden Elemente im (Liebes-)Glück der Mitmenschen hinzuweisen. Einfach großartig, wir und unsere Pferdchen verneigen uns tief.

Stefan Abermann forderte zu vermehrten Biergenuss auf, immerhin macht Bier nicht nur andere Menschen schöner, sondern auch den Trinker selbst. Er offerierte Details, wie die als Grenze eingebaute Fahne, die verhindert, dass wir alle, die wir das Bier wie unsere Lesebühne lieben, in Körpersäften ertrinken. Es folgte ein Brief an den Sohn, den dieser in ferner Zukunft, da der Vater längst im Altersheim liegt, zu lesen kriegt: „Der Tag der Rache ist gekommen, du musst mich pflegen. Und wenn du das alles gemacht hast, dann war das Dummheit. Oder vielleicht Liebe. So wie früher zwischen dir und mir.“

Martin Fritz las aus „Radfahren schön trinken“, just im Milena-Verlag erschienen, und gab Einblicke in den Häschenkurs des Bachmannpreises, in dessen Zentrum der dunkle Fürst der finsteren Anekdotenausschmückung Audienz hält und mit Thomas Klupp nacht (oder nackt, ich bin mir unsicher) schwimmt. Es folgte ein mit Songtiteln gespickter Text, der sich um die Radio-Aktivität von Autor und DJ, den zwei ärmsten Schweinen des Kulturbetriebes, gleichermaßen kümmerte, sowie ein Aphorismus erster Güte: Was sagt die Freundin zum Alkoholiker: Sex oder nie mehr Ex.

clara felis

Robert Prosser lieferte Einblicke in die Riots von Manchester anno 2011, ein Teil der damaligen Flammen war in diesem Text zu spüren, und trug seinen Beitrag für Spotted: University Innsbruck vor, worin ein etwas älterer Herr ein wunderschönes Mädchen im Männerklo des Queens-Club entdeckt, bzw. sich zu ihr unters Pissoir legt, samt Gesang und viel, viel Liebe. „Sei das M in meiner DMA.“ – das ist doch mal eine Ansage.

Markus Koschuh trug eine vertrackte, an „In Bruges“ erinnernde Geschichte vor, worin ein Fleck auf einer Hose, ein ehemaliger Polizeihund und zwei Krokodile zu Explosion, Mord und Todschlag, sowie eingemauerten Frauen führen. Am Ende überlebt nur einer, nämlich der dreckigste von allen. Den kriminellen Energien treu bleibend verzückte er zudem mit dem Verhör eines Mannes, dessen Opa tot aufgefunden worden war, und redet sich dialektal um Kopf und Kragen.

Das Open mic wurde von Iris bestritten, Kardamomkaffee, Kehrtwenden und Kapitäne zogen auf großer Fahrt durch ihre Gedichte. Iris genoß die Zigarette danach und ja, sie hatte sie sich auch wirklich verdient.

t.o.r.

So und nicht anders wird es gewesen sein, jüngst im November, es bleibt der Hinweis auf die diesjährig frühe Bescherung, die da zu Innsbruck vonstatten gehen wird am 12.12. im Moustache, mit Yasmo als Specialguest.

Fast Facts: Next T.o.R am 12.12.2013, 20 Uhr im Moustache, mit Yasmin Hafedh

Das war T.o.R. im Oktober mit Patti Basler

symbolbild sturm auf den gelben adler
(Symbolbild: Illustration zu Stefan Abermanns Gasthaussturm-Text)

In aller gebotenen Kürze, da unser traditioneller Nachberichtschreiber bekanntermaßen verhindert war: Das T.o.R.-Lesespektakel war auch in seiner Oktober-Inkarnation ein großes Fest, Patti Basler wusste zu berichten vom Aufreißen von Zahnärzten, Zweisprachigkeitsproblemen zwischen Toilette und Kegelbahn, Liebe in Zeiten der Adipositas und den dazu passenden Chips des Zweifels und die restliche Stammbelegschaft der Lesebühne glänzte mit den üblichen Themen, also alte Damen & Heimtiere, Literaturnobelpreis & Fernsehen, Saure Gurken & Reparaturseidln sowie Riesenschnitzel & dichte Gäste. Zu drüberstreuen durften wie noch Phil Marie am Open Mic begrüßen, der die Lächerlichkeit der Anbahnung sexueller Handlungen beschrieb und somit geschickt zum weiteren Abend- und Wochenendverlauf überleitete. Hernach fiel noch viel Schnee über die Angelegenheit und verhinderte so wohl, dass Gras darüber wuchs, aber was macht das schon, wenn es insgesamt ohnedies so schön war. Fotos kommen nach, und das nächste T.o.R. lässt naturgemäß auch nicht mehr lange auf sich warten und geht am Do 14.11. über die Moustache-Bühne, vorfreuen können wir uns dabei auf Clara Felis.

EDIT: Fotos gibt es inzwischen auch und zwar hier, mit Dank an Carmen Sulzenbacher.