Category Archives: Allgemein

T.o.R. im Mai mit Christoph W. Bauer

Christoph W. Bauer, Foto (c) Florian Schneider

In Berlin heißen die Bars ja z.B. “An einem Sonntag im August” und sagen kann eins das auch im April, sogar wenn es um den Mai gehen soll. Denn so groß sind die Unterschiede im Inneren von Bars nicht, wie niemand besser weiß als die Forschungsgruppe fiktionale und fiktive Barnamen oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne.

Wenn wir privat eine Bar betreten, verläuft das Gespräch eher wie in einem Kaurismäki-Film, aber das machen wir natürlich alles nur für Euch: Wir sparen uns die Eloquenz, Spritzigkeit und Schärfe der Gedanken und Pointen auf für die Bühne. Und zwar für die Bühne unserer Lieblingsbar, der des Moustache, wo die Teilzeit-Stammgäste und Vollzeit-T.o.R.-Stammautoren Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser am 8. Mai 2014 um 20:00 Uhr wieder einiges zu berichten haben werden von den düstersten Pinten und hellsten Höhen, die sie wie immer nur auf der Suche nach lesebühnentauglichen Geschichten aufgesucht haben werden.

Einiges über Bars zu sagen hat gewiss auch unser Mai-Gast Christoph W. Bauer, den in Innsbruck vorzustellen so nötig wie ein Becks Gold ist. Neben seiner neuesten Veröffentlichung In einer Bar unter dem Meer prädestiniert den eigentlich ja transoeniuvalen (umso mehr freut es uns, ihn über den Inn zu locken) Dichter nicht zuletzt für uns, dass er einen seiner früheren Lyrikbände präsentierte, indem er so lange jeden Abend in einem anderen Bögenlokal las, bis die Bögen zu Ende waren (es könnte Supersonic ebenso gewesen sein wie Die Mobilität des Wassers sollte man mieten können – wir waren dabei, können uns also an nichts erinnern). Wer dazu physisch und psychisch in der Lage ist, ist mittendrin in unserer Liebe.

Darin befindet sich ebenso das Open Mic, das die Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum eröffnet sowie wie unsere pünktliche Beginnzeit. Es wird Moloko fließen wie in der Korova Milk Bar, und Blut wie in The Bronze und im Fangtasia gemeinsam!

Kurze:
Do 08.05. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Christoph W. Bauer (Innsbruck)
Und zum Facebook-Event geht es hier entlang.

Jungbäuerliches Fensterln, pollenballernde Eskapaden: Das war T.o.R im April 2014

Jene Kunst, in welcher sich jahreszeitbedingt der Innsbrucker Hof- wie auch der Münchner Englische Garten so eifrig üben, nämlich pollenballernd, blütensprießend die Wochen der Hochzeiten, Maibäume und Feuerwehrfeste anzukündigen, diese hohe Kunst hormonellen Überschwanges und gepflegter Badassery beherrscht Text ohne Reiter schon lange, wie der April-Ausritt gekonnt zu bestätigen wusste.

Denkt man sich das Moustache als Gewächshaus, stachen folgende floristische Schönheiten leuchtend hervor, bzw. bildeten ein Bouquet, dem Publikum zugeworfen, welches aus Freude ob der Blütenpracht ganz aus dem Häuschen Applaus spendete und Tumult, als wäre das Moustache weniger Gewächshaus als vielmehr Bienenkorb:

Für Menschen auf Rädern war Kärnten ein tödliches Areal, das musste auch schon Jörg Haider erfahren, und apropos Kärnten: der Villacher Fasching war wie Sadomaso, nur in bunten Kostümen, die Einheimischen hatten sich immerhin die Fähigkeit bewahrt, den Umständen zum Trotz zu lachen, und ihr Ausruf “Leilei” glich dem Brunftschrei der Apokalypse. (Stefan Abermann)

Einblicke in die Justizvollzugsanstalt Stein in der Wachau zeigten die Auswirkungen von Frühling und Obstblüte auf den Gefühlshaushalt der Insassen, die gerne das gehabt hätten, wovon ein kleiner Alien für ein Lifestyle- Magazin seines Heimatplaneten unter aktiver Teilnahem und Beobachtung schrieb, nämlich Kontakt zwischen Frau und Mann, um nicht der Fortpflanzung sondern dem Spass zu frönen. (Robert Prosser)

Nach dem Besuch einer Schenke, wenn man nicht mehr wusste, ob man Mensch oder blaues Tier wäre, offenbarte eine Trakl-Neudichtung über Resedenduft, was 13 schwarze Lilien früher zu bedeuten hatten: Man hat noch nicht zurückgerufen, weil der Handy-Akku leer war. Ein Fauxpas, der dem Reporter des Spiegels im Zuge des Interviews mit dem Gewinner des Quiz-Duells nicht unterlief, eines App-Nutzers mit Nom de Guerre SexyBabe 95. (Martin Fritz)

Heinz Strache fiel in Innsbruck vom Rad, im Versuch, sich wegen der ganzen Links-Linken als Grüner zu tarnen, forderte er Freiheit für Neger und Heimatliebe statt Fahrradschiebe, bis Fritz S., der seinen Penis gerne rechts trug, den Schirm in die Speichen des vermeintlich grünen Machos HCS steckte, welcher aufgrund des Sturzes einen Gedächtnisverlust erlitt und glaubte, er wäre Herr Grünbaum, Retter von Wäldern und Suppenspender rumänischer Straßenkinder. (Markus Koschuh)

Dieses Arrangement unsererseits konnte natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass wahrer Dschungelzampano und liebliche Frühlingsprinzessin in einem unser Gast Alex Burkhard war, auf welchen das Publikum reagierte wie Schwerstallergiker auf Pollenflug, allerdings im verkehrten, sprich äußerst positiven Sinne.

Die Münchner Lesebühnenkoryphäe las unter anderem aus „...und was kann man damit später mal machen?“, ein Bus machte einen Bogen, sagte die Dame, sagte die andere Dame und der Frisör fragte: Das Haar wie immer? und brach in schallendes Gelächter aus, die Haarinfanterie flüchtete wie die französische Truppe nach dem Brand von Moskau, der Tag der offenen Tür am Institut für Skandinavistik führte zur Erklärung, ob und wenn ja welches Wikinger-Zeugs man da so treibe, aber nicht nur das, man schaute Breaking Bad und entschloß sich, Cliffhanger in den Alltag einzubauen und als Zugabe folgte die These, dass das Imaginieren der Epiphanie Ekonoklasmus sei…. schier endlos ließen sich die Sprache gewordenen Löwenzahnsamen fortführen, die Alex Burkhard dem Moustache um die Ohren bließ und die Herzen der Zuseher_Innen dabei leichthändig pflückte wie ein Jungbauer Maiglöckchen, wenn er sich unterwegs zum Fensterln entschließt, der Liebsten ein paar Blumen mitzubringen.

Selbstverständlich wurde wieder gesungen, und zwar, als würden wir einem geheimen Drehbuch folgen und am Gesamtkunstwerk basteln, passend zu Frühlingsbeginn und Osterferien Schön ist es auf der Welt zu sein.

Wir bedanken uns bei den Open mics Iris, die mit Alliterationen a la “Föhn facht vor fest verschlossenen Fenstern” Blicke auf sich zog, und Niko-Lina, deren Gedichte Vogelmädchen zum Inhalt hatten, die unter Millionen Menschen unsichtbare Flügel tragen.

Es war großartiger Abend, soviel steht rekapitulierend fest, und bald gibt es die Möglichkeit, dieses Fest der Performanz zu wiederholen oder sogar zu übertreffen, wer weiß:

8. Mai 2014, Text ohne Reiter im Moustache, 20 Uhr, mit Christoph W. Bauer.

These Ten Stunning Facts Totally Made My Day, You Won’t Believe What Happens At #4, oder: T.o.R. im April mit Alex Burkhard

Alex Burkhard

1. Auch den April, den alten Launing-Monat, nützt das viralste Clickbait, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, für einen Auftritt.

2. Zu diesem Zweck werden sich die privaten User Generated Content-Generatoren und hauptberuflichen T.o.R.-Stammautoren mit den Namen Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser am Donnerstag, den 14. April 2014 um 20:00 Uhr wieder in ihr geliebtes Moustache verfügen, und zwar pünktlich.

3. Damit aber noch lange nicht genug: Alex Burkhard aus dem schönen Isarflorenz, wie München ja auch genannt wird, wird uns dabei zur Seite stehen und beweisen, dass seine Texte und Performanz maßgeblich beteiligt waren an der natürlich trotzdem unglücklichen Niederlage des Team Innsbruck gegen München in der Disziplin Poetry Slam. Und lesebühnentauglich sind sie sowieso auch, wovon sich beim Betrachten dieser Videos selbst überzeugt werden kann.

4. Feenhaft wird das also werden, wenn wir alte Affen in den Himmel gehen. Denn if man is

5. and the devil is

6. then god is

7. Und nichts anderes wünschen sich Anrufer_innen bei Musikwunschsendungen im Radio, also wird es für eine Lesebühne auch nicht ganz falsch sein.

8. Sofern wir unseren Geist nicht verlieren, behalten wir auch die Open Mic-Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum sowie die pünktliche Beginnzeit ein. Behaltet den Kopf am Boden und die Füße in der Luft und schwimmt weit draußen im Wasser in Strömen uns zu.

9. Alle April-Facts noch einmal zusammengefasst. Wow!:
Do 10.04. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Alex Burkhard (München)

10. Was ist ihre Meinung dazu? Diskutieren sie mit auf Facebook.

Thomas Schutte 1993 – 2014

10155137_10203688512962790_591754097_n

Diese Nachricht hat uns wie aus dem Nichts getroffen und wir sind fassungslos, tief erschüttert und unendlich traurig. Thomas Schutte, der uns die letzten Jahre mit seinen Texten immer wieder verblüffte und das Publikum begeisterte, ist tot. Thomas, wir haben dich, deine Art zu schreiben und dein menschliches Auftreten in allerbester Erinnerung und sind in Gedanken bei deiner Familie und deinen Freundinnen und Freunden. Schön, dass wir uns kennenlernen und dich ein Stück deines (Bühnen)Weges begleiten durften. In tiefer Freundschaft und Trauer eine letzte Verbeugung.
Stefan Abermann, Robert Prosser, Martin Fritz und Markus Koschuh.

T.o.R. im März mit Katja Hofmann

Katja Hofmann

Jetzt sind wir zumindest was die Jahreszeit betrifft aus dem Schlimmsten auch schon wieder raus und können uns Angenehmeren zuwenden wie etwa Scherzanrufen in Halle an der Saale, in denen wir, die praktischsten Joker der Ferngespräche oder wie andere auch sagen Text ohne Reiter, die Innsbrucker Lesebühne, sagen, dass wir nun, wo die Temperaturen Tennis auch im Freien wieder zulassen, die Halle nicht mehr benötigen.

Oder aber wir lassen das bleiben und die Freizeitprankster und hauptberuflichen T.o.R.-Stammautoren namens Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser kommen am 13. März 2014 um 20:00 Uhr wieder ins Moustache um dem Frühling ein Liedchen zu singen, natürlich nicht ohne Unterstützung durch die Lesegästin der Iden des März, Katja Hofmann, die uns für dünne Witzchen über ihre Heimatstadt hoffentlich nicht hasst.

Nichts ändert sich des Weiteren an der Open Mic-Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum sowie der pünktlichen Beginnzeit. Genießt mit uns den Frühling, es wird sowieso wie stets hinterher wieder so schnell vorbei gewesen sein.

März-Memento:
Do 13.03. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Katja Hofmann (Halle)
Und zum Facebook-Event geht es hier entlang.

Floppy Wiener, unzensuriert: Das war T.o.R. im Februar 2014

Klaus Lederwasch

Gänzlich entgegengesetzt der Faschingszeit, die sich in Maskierung gefällt, wusste Text ohne Reiter (der Sprachperformanz gewordene Confettiregen, der übers geneigte Publikum kommt wie das Gold über die sprichwörtliche Marie) mit Enthüllungen zu begeistern:

Die geheimen, während der Winterolympiade in Sotschi entstandenen Tagebücher Andreas Goldbergers belegten dessen Affinität zu klassischer Musik, wie Goldie überhaupt eine zartbesaitete Seele bewies, die, von den mit Wodka getränkten und Ziesel inkludierenden Eskapaden des ORF-Moderators verschreckt, von einer Frage gepeinigt wurde, über die lange nachzudenken sich schickt: “Schmeckt dir unser V-Stil?” Ziesel selbst sprangen Schanzengroßereignisse nach und liebten fingierte Tagebücher sportlicher Berühmtheiten. Die Präzision ihres Denkens mag ihnen bisher oft als Kälte ausgelegt worden sein, endlich aber trat der zärtliche Stil der Reflexion dieser besonderen Tierart zu tage. (Martin Fritz)

Rechercheberichte führten nach Bosnien und wussten von ehemaligen Kriegs-Flüchtlingen zu erzählen, deren Schicksale mit schier poetischen Wendungen und Details aufwarteten. Tanzqualitäten und weiche Knie wurden beim Hakim Bey gewidmeten Happening wider der 2-Paar-Romantik des Valentinstages offensichtlich. Live-Karaoke zu Schmidtchen Schleicher von Niko Haak, die Frauen fürchteten sich und fingen an zu weinen, aber T.o.R. stimmte erneut ein mitreißendes Liedchen an. Diesesmal stand das gesamt Moustache – wir verbeugen uns tief vor dieser kollektivten Lust am befreit-befreienden Singen. (Robert Prosser)

Facebook-Meldungen eignen sich hervorragend, um Anteilnahme zu erheischen, besonders als Teil der Facebook-Gruppe GB – Gute Besserung, Gusch Bua, Gema Budan: die Dramaturgie des Textes ließe sich kaum anders und besser vermitteln. Knochenmarkspenden werden für die kommende NSA-Knochenmarksvorratsdaten fällig, und eine Kontaktanzeige kumulierte in eine schonungslose Selbststudie: Ich jammer nicht, ich hechle. Ich bin sensibel und häuslich. Du solltest bereit sein, endlich mal etwas zu riskieren, nämlich mich: In der Mühl-Kommune hätte man nicht ehrlicher sein können. (Markus Koschuh)

Die heißesten Winterspiele aller Zeiten bedingten eine homosexuell aufgeladene Berichterstattung, in deren Nachwehen sich Lesben im Gemüseregal nahe der Gurken räkelten und schlaffe Penisse einem auf der Straße unvermutet ins Gesicht klatschten. Das Sotschi-Feeling griff um sich: Vladi! Put in! Ein Ruf, der selbst noch spätnachts an der Bar zu vernehmen war, wie auch jener nach einer „Endlösung der Postlerfrage“. In weiser Voraussicht kommender Einsparungen wurde darauf hingewiesen, dass Postler, bei vorsichtiger Handhabe, mitunter als Sexspielzeug zu gebrauchen sind. (Stefan Abermann)

Die größte Enthüllung lieferte aber unser Gast, nämlich sich selbst: Klaus Lederwasch. Leichthändig eroberte der zoologisch freiwildernde, steiermärkische Dichter das Publikum mit Kleinoden wie: „Wenn 1000-Füßler Fußballspielen, dann zittern Krankenkassen“ oder: „Würdest du dein Haus aus Stroh bauen oder aus Ziegel? Sagte der Phyten: Phython.“ Ganz aus dem Häuschen war die begeisterte Meute bei der Geschichte von Crabby, die demnächst in ausgewählten Lichtspieltheatern als neues, heißes Eisen von Walt Disney zu sehen sein wird, um dem Transformer- und Hobbit-Trilogien-Wahnsinn einen Film der alten Schule entgegenzusetzen. Kein animierter Schnickschnack, aber viel, viel Gefühl: Crabby zählte die Sterne, während sich eine hungrige Möwe in Zeitlupe Crabbys Dad schnappte. Wohin die Odyssee den kleinen Krabbenmann führte, sei an dieser Stelle nicht verraten; Lederwasch selbst ist auf jeden Fall ein Garant für großes Kino, zum Abschluß dieses denkwürdigen Abends holte er sogar die Gitarre raus; wir klapperten mit unseren Scherenhänden und unsre Thunfischherzen pochten wild.

Dankenswerterweise gab es zwei Open-Mics zu begrüßen, nämlich Matze, der Werther liest anstelle von 50 Shades of Gray und vor lauter lesen keine Zeit zum Duschen hat, aber eine Bücherbong besitzt, sowie Miriam, deren Text über Schneefall und physisch werdenden Beziehungsstress aufmerksames Gehör fand – beide mögen wiederkommen, hofft die Bühnen-Belegschaft.

Weitere Enthüllungen, dreckige Skandale und fröhlichen Gesang gibt’s bald wieder, nämlich am Donnerstag, den 13. März, um 20 Uhr im Moustache zu Innsbruck, mit Katja Hofmann, unsrer liebsten Frühlingsfee.

T.o.R. im Feber mit Klaus Lederwasch

Klaus Lederwasch

Viele brauchen äußere Anlässe wie fünfte Jahreszeiten, alle vier Jahre stattfindende Spiele oder 100-Jahres-Jubiläen um sich in seltsamen Gewandungen merkwürdigen Tätigkeiten zu widmen, die sie im Alltag unterlassen, nicht so aber die anlassunbezogensten Energieferialpraktikanten des Jahrhunderts, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, der Innsbrucker Lesebühne. Und so wird es nicht ausbleiben, dass die Freizeitchronisten und hauptberuflichen T.o.R.-Stammautoren namens Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser am 13. Februar 2014 um 20:00 Uhr wieder im Moustache zu fröhlichen Gegenprogramm zu Übeln wie Villach, Sotchi und Weltkrieg zu bitten.

Fünfter Energielieferant des Abends wird Gastleser Die Klaus Lederwasch aus der Steiermark sein, dessen bühnenliterarisches Können nicht nur im Sieg beim Ö-Slam 2012 seinen Niederschlag fand, sondern auch in Aufträgen als Storywriter für Disney-Filme.

Im dritten Absatz sei noch darauf hingewiesen, dass die Open Mic-Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum sowie die wie immer gleich pünktliche Beginnzeit sich ebenso wiederholen wie die Feststellung, dass es hinterher gewiss so schön gewesen sein wird, dass wer nicht dabei war, es jetzt schon bereuren sollte.

flotte Fakten Feber:
Do 13.02. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Klaus Lederwasch (Graz)
Und zum Facebook-Event geht es hier entlang.

Palindromatische Hasselhoffoden: Das war T.o.R. im Jänner 2014

die karin

Die Liebe ist Sieger; stets rege ist sie bei Leid – so ließe sich die vergangene Show in einem Leitsatz einfangen, da es dem jüngsten Höhepunkt unseres Bühnenlebens weder vor großem Gefühl noch vor kluger Gesellschaftskritik die Sprache verschlug. Der Start ins Jahr 2014 war Performanz gewordener Furor und einer jener glücklichen Momente, die ein Künstlerdasein so kostbar machen, begeisterte dieser Abend Mitte Januar doch Publikum und Vortragende gleichermaßen. Zwar weiß Text ohne Reiter zu jeder Tages- wie Jahreszeit zu überzeugen und nimmt in dieser Eigenart die Charaktereigenschaften eines Palindroms an, welches sich weniger an ein bestimmtes Zeichensystem hält und von vorn nach hinten sowie retour lesbar wäre, als es vielmehr durch Raum und Zeit reicht und da wie dort immer gut ist, der Jänner-Ausritt aber wird uns nachdrücklich im Gedächtnis bleiben.

Diese Unvergesslichkeit ist insbesondere unserer Gästin zuzuschreiben: die Karin (bzw. grammatikalisch richtig, als Künstlernamen jedoch nur mäßig geeignet: der Karin), die für den heimischen Slam das ist, was die Voest für Linz symbolisiert: ein Kraftfeld surrender Grazie und dampfender Wut. Sie, also Karin, bot ein Feuerwerk an Idee und Themenvielfalt, sodass man regelrecht zu spüren glaubte, wie das vergangene Silvester im Nachhinein neidisch erblasste. Erstmals in unserer nicht nicht langen Geschichte wurde ein Text vorgetragen, der auf den Namen der Lokalität Bezug nahm, in „Ich oder mein Schnurrbart oder: Moustache“ sinnerte die Karin über ein Wort, das man sich auf der Oberlippe zergehen lassen kann und dessen Besitz einer Frau echte, wahre Emanzipation ermöglichen würde. Vom Pornobalken ging es weiter zum Anthropologie-Studium und den damit verbundenen mangelhaften Anerkennung vonseiten der Mitmenschen. Darin enthalten war (zumindest aus der Sicht des Nachberichtschreibers, der selbst ein Studium der Kultur- und Sozialanthroplogie mit Genuß absolviert hat) der Witz des Abends, den nachzuerzählen wenig Sinn macht, weil die nötigen Hinweise auf Margaret Mead u.ä. den Rahmen dieser kurzen Zusammenfassung sprengen würden, es ging auf jeden Fall um die in Hinblick auf die verwandtschaftlich Lineage korrekte Antwort auf einen Verbalangriff a la Deine Mutter.
Weiters wurde radgefahren, mit der leisen Hoffnung, wie im Film “Mädchen, Mädchen” durch Orgasmen belohnt zu werden, und sich mit der Touristen-Plage rumgeschlagen, deren erfolgreiche Abwehr in einer Aussage kulminierte, die auf Tshirts zu drucken sich anbietet: Wir sprechen Deutsch, Österreichisch und Dialekt, Oida! Und wenn es jemand nicht versteht, dann reden wir halt langsam.
Das Publikum war hin und weg und wir erst recht, tief verbeugten wir uns vor der Karin (die Karin), und stolperten im Versuch, mit Prinzessinenknicksen und Kratzfüßchen unserer Bewunderung Ausdruck zu verleihen, tolpatschig durch die Gegend.

t.o.r.-chor

Damit nicht genug wusste die Jänner-Auflage unseres Spektakels mit Themen aufzuwarten, die sich in zwei Schwerpunkte zu bündeln bequemen:

Leibliche Ausschweifung: Stefan Abermann las von einem Körper von Gewicht, der Hosen schrumpfen und neue Muskeln wachsen lässt und sich, ähnlich dem Universum, immer weiter ausbreitet, bis der einzige Gesprächsraum, der bleibt, nur mehr eine Frage erlaubt: isst du das noch?
Passenderweise wusste Markus Koschuh ein Rezept aus Mein Mampf einzustreuen, nämlich Hühnchen braun. Martin Fritz trug eine Fake Amazon-Review zum Erotischen Landmaschinenkalender 2014 vor, welcher vom Rezensenten ob des eklatant ausgestellten Sex-Appeals nur einen Stern verliehen bekam.
Robert Prosser brachte ein Märchen von einem Frosch, der reihenweise Frauen unglücklich macht. Eingeleitet wurde diese gleichsam als Fake-Amazon-Review getarnte Neudeutung märchenhaften Materiales mit Live-Karaoke zu Du von David Hasselhoff. Ganz großes Kino. Man kann es nicht oft genug betonen: nichts macht so glücklich, als wie laut und ohne Rücksicht auf gesellschaftlichen Status zu singen. Und ja, wenn Hasselhoff seine Pisse trinkt, riecht sein Spargel komisch.

Linguistische Extravaganza: Stefan Abermann entlockte dem Google Translator Phrasen, die zwischen grenzgenial und Bundy changierten: Vielleicht bin ich in meinem Kopf. Dieser Mann ist nicht ihre Macker. Du bist ein gutes Mädchen. Markus „sind wir mal froh, dass der Nachberichtschreiber die Notizen vom Dezember verloren hat und nicht den leisesten Verdacht hegt, dass da jemand einen bereits im Monat zuvor dargebrachten Text vortrug“ Koschuh blickte in die Zukunft, in welcher Prosser den Abermann Hund erschossen hat und gab von sich preis, ein zutiefst kindliches Kind gewesen zu sein, das gerne Nudelbrot aß (oder war es doch Nutellabrot?) Martin Fritz bot ein Worst-of-Vier-Schanzen-Tournee, indem er Originalzitate von Morgenstern Amann Diethart gekonnt montierte. Und Robert Prosser las einen textlichen Bastard, der alles beinhaltete, was mit synthetischen Drogen, Graffiti und Only Lovers Left Alive zu tun hat.

Dankenswerterweise wurde das Open Mic in beiden Hälften genützt, einmal von Franz Xaver Franz, der einen Text über Silvester stoned as hell vorbrachte, und ein anders Mal von Philmarie, der über die grassierende Wassermelonenwirtschaft gewichtiges zu sagen wusste.

die übliche verbeugung

Es bleibt somit nur darauf hinzuweisen, dass bald Fasching ist und es keine bessere Gelegenheit gibt, sich darauf einzustimmen, als am 13. Februar 2014 um 20 Uhr ins Moustache zu wuseln, zum nächsten, karnevalesken Text ohne Reiter Reigen mit Klaus Lederwasch.

In diesem Sinne:
Too far, Edna, we wander afoot.

T.o.R. im Jänner mit Die Karin

Vieles ist unsicher, aber eines gewiss: Nothing changes on new year’s day. Und das kommt der konstantesten Invarianz, oder wie andere auch sagen: Text ohne Reiter, der Innsbrucker Lesebühne sehr entgegen, denn wenn die eins verinnerlicht hat, dann dieses: dass abwechslung immer das gleiche ist wie wiederholung / denn zu jedem zeitpunkt wäre beides ja als nächstes möglich.

Wir fassen also keine neuen Vorsätze, die dann doch keiner Evaluation stand halten, sondern bleiben einfach bei unseren altbekannten Stärken und wiederholen das Erscheinen der standfesten Kontinuitätsgaranten und hauptberuflichen T.o.R.-Stammautoren mit den auch im neuen Jahr gleich gebliebenen Namen Abermann, Fritz, Koschuh und Prosser im beharrlichen Moustache und zwar am 9. Januar 2014 um 20:00 Uhr.

Beibehalten wird auch die stete Tradition der Herren Stammautoren, sich dabei von einer Gastleserin an Grazie, Vortragskunst und Eloquenz übertreffen zu lassen, und diese Aufgabe wird dieses Mal Die Karin souverän erledigen, hat sie doch beim als “Debakel von Linz” in die Geschichte eingegangenen Städtebattle ihr Scherflein für ihre Heimatstadt beigetragen und auch ansonsten ist die bekennende Palindromliebhaberin ein Fixstern der Bühnenliteraturszene.

Beständig bleibt naturgemäß auch die Open Mic-Möglichkeit für 2×5 Minuten für Textvortragswillige aus dem Publikum sowie die wie immer gleich pünktliche Beginnzeit. So viel Persistenz ist in Zeiten, in denen angeblich die einzige Konstante ist, dass sich alles immer ändert, natürlich nicht gut angesehen, aber es wird schon auch für etwas gut gewesen sein, darum walk this lonely road with us, and we’ll walk with you.

Januar-Jahresanfangs-Fakten:
Do 09.01. 20:00h Moustache: T.o.R. mit Die Karin (Wien)
Und zum Facebook-Event geht es hier entlang.

Rock ‘n Roll! Das war T.o.R. im Dezember 2013

yasmo

Was sonst eigne sich besser zum Jahresbeginn, als reinen Tisch zu machen und verschämt ein Geständnis abzuliefern: wie bereits in Vergangenheit passiert, hat der ansonsten tadellos werkende Nachberichtsschreiber unserer Lesebühne, die aufgrund ihres aus Ennui gespeisten Stilbewusstseins Jim Jarmusch das Giftgrün blanken Neides in die Augen zu zaubern vermag, seine Notizen irgendwo in Innsbruck verloren oder in Wien verkauft, oder, wahrscheinlicher, im dazwischen liegenden Tiroler Unterland verbrannt, in einer Gegend also, welche ob der Krautinger-induzierten und als Brauchtumspflege getarnten, feiertäglichen Ausschweifungen (die, wie fleissige Komparatisten längst wissen, nicht wenig leisteten, um J.R.R. Tolkien die Inspiration zu Mordor zu verschaffen) per definitionem dazu geeignet ist, schüchterne Dichter, Manuskripte wie Nachberichtsnotate unterm Arm geklemmt, in einen alpinen Bewusstseinslooping a la Evel-Knievel-Acidaction zu stürzen, der Hunter S. Thompson zur Ehr gereichen würde und gebrochene Herzen, zerborstene Fenster, sowie mehrere aufgebrachte Schützenverbände inkludierte, was weniger in Euro, als vielmehr mit Erinnerungsvermögen bezahlt wurde. Aus dem stroboskoppulsenden Wahnsinn, in welchen die Lesebühne-Afterparty, die Vorweihnachtszeit, Weihnachtsfeiertage sowie Vorsilvester und Silvester höchtspersönlich versanken, lassen sich nur wenige Tatsachen retten: Am 12. Dezember im Moustache trug Robert Prosser ein Gedicht zu Adam und Eva vor, brachte Martin Fritz die Ausschreibung für die Super-Lesebühnen-Praktikantin zu Gehör, las Stefan Abermann einen mit Songtiteln gespickten Text und ja, Markus Koschuh war auch da. Einige Fakten allerdings stehen frag- und zweifellos fest: Yasmo, Yasmin Hafedh und Miss Lead sorgten a) für einen großartigen Abend, welcher b) vor einer enthusiastischen, unzählbaren und das Moustache bis auf den letzten Zentimeter besetzenden Menge bejubelt und befeiert wurde, die wiederum c) nur ein Wort mehr aus dem Munde der Trinität des Spoken-Words gebraucht hätte, um vollends in einer Orgie der Sinnesräusche zu schlittern, so wie d) Uschi Obermayr beim Anblick von Keith Richards. 2014 kann nicht besser oder ausschweifender werden. Allerhöchstens gesünder.

yasmo